Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. lat. 518
Breviarium Wormatiense, pars hiemalis
Papier, Pergament · 1, 225, 1 · 19,8 × 13,7 cm · Heidelberg · 1. H. 15. Jh.
- Schlagwörter (GND)
- Liturgie / Brevier / Breviergebet / Stundengebet.
- Entstehungsort
- Heidelberg.
- Entstehungszeit
- 1. H. 15. Jh.
- Typus (Überlieferungsform)
- Codex.
- Beschreibstoff
- Pergament / Papier (zumeist besteht das äussere und das innere Doppelbl. der Lage aus Pergament, der Rest aus Papier), neuzeitliche Vorsatzbll. aus Papier.
- Umfang
- 1, 225, 1.
- Format (Blattgröße)
- 19,8 × 13,7 cm.
- Zusammensetzung (Lagenstruktur)
- (I-1)1a +II4 + III10 + 6 IV58 + (IV+1)67 + 8 IV131 + VI143 + IV151 + 2 (IV+1)169 + 2 IV185 + II189 + 3 V219 + III225* + (I-1)226*. Die Lage des Kalendariums (5–10) ganz aus Pergament. Bl. 63 ist ein eingehefteter Zettel. 1a bildet mit dem Vorderspiegel ein Doppelbl., 226* bildet mit dem Hinterspiegel ein Doppelbl. Der Binio 186–189 scheint ein Versatzstück zu sein (Pergament).
- Seiten-, Blatt- und Lagenzählung
- Tintenfoliierung, Rom 17. Jh. (1–224). Kustoden: von 18v (i) bis 131v (xv) und von 143v (I) bis 169v (IIII). Auf 177v, 199v, 209v und 219v Textreklamanten.
- Zustand
- Leichte Griffspuren, Einband etwas bestoßen.
- Wasserzeichen
- aufgrund der Größe der Hs. nicht digitalisiert.
- Schriftraum
- 19,8 × 13,7 cm.
- Spaltenanzahl
- 1 Spalte.
- Zeilenanzahl
- 29–31 Zeilen.
- Angaben zu Schrift / Schreibern
- Die Hs. wurde überwiegend in einer schmucklosen Buchbastarda mehrerer Hände geschrieben. Die Teile in kleinerem Schriftgrad zeigen auch eine Bastarda mit Schleifen und von überwiegend kursivem Charakter. Zwei der Schreiberhände lassen sich auch in Pal. lat. 516 identifizieren. Die Hand von 11r–135v ist mit der von Pal. lat. 516, 11r–108r und 260r–289v identisch. Die Hand von 136r–138v findet sich ebenso in Pal. lat. 516 auf 3r–10v, 166v–170v und 290rv.
- Buchgestaltung
- Schriftraumbegrenzungen überwiegend in Metallstift (im Kalendarium in Tinte). Rubriziert. Rubriken z. T. am Rand vorgeschrieben. Ein- bis zweizeilige rote Lombarden zu den Textabsätzen. Im Kalendarium große KL-Kürzel (Kalendae) in Rot.
- Nachträge und Benutzungsspuren
- Vorderspiegel, eingeklebter Zettel (trovato tra
i ff 21–22). Precinge quesumus domine deus noster lombos
[!] mentis nostre tua virtute … – … percipere
mereamur. Aus dem Messformular für den 2. Advent (Corp. orat. 4315).
(3v) am oberen Seitenrand: Domus mea domus oracionis vacobitur dicit dominus [Mt 21,13; Is 56,7]. Zu den Nachträgen im Kalendarium siehe dort. Zum Breviertext gelegentlich Ergänzungen auf den Seitenrändern zumeist von der Hand des Albertus (s. Geschichte der Handschrift). 148v unten: De sancto Mauro quere in novo sexterno. Vermutlich bezieht sich dies auf 180r. Auf eine Entstehung der Hs. durch Verwendung und Ergänzung vorliegender Teile deuten auch die Tilgung von 186r und das Bruchstück des Sommerteils des Proprium de sanctis auf 175rv (s. Inhalt).
- Einband
- Grünes Pergament mit Goldpressung auf Pappen. Rom, 1626–1633. Vorderdeckel Wappen Papst Urbans VIII. (Pontifikat 1623–1644), Hinterdeckel Wappen des Kardinalbibliothekars Francesco Barberini (1626–1633). Rücken in den Jahren 1846–1853 mit weißem Pergament erneuert. Oben das Wappen von Papst Pius IX. (Pontifikat 1846–1878), darunter ein Signaturschild aus dunkelgrünem Leder mit Golddekor PAL. 518, darunter das Wappen des Kardinalbibliothekars Luigi Lambruschini (1834–1853), darunter das blaue Signaturschild der BAV. Wappen und Dekor jeweils in Gold. Kapital mit braunen (ehemals roten?) und blauen Seidenfäden umwickelt (heute weitgehend aufgelöst). Schunke, Einbände 2,2, S. 840; vgl. Schunke, Einbände 1, S. 256f.
- Provenienz
- Heidelberg.
- Geschichte der Handschrift
- Salmon las unter dem getilgten Text von 186r den (ebenfalls getilgten) Eintrag: Hic liber est completus per Conradum Risperger [?] custodem ecclesie s. Marie virginis anno 1401 … (s. Literatur). Zu ergänzen: … primo, pridie beati Kalixti [13. Okt. 1401]. So auch verzeichnet bei: Sigrid Krämer, Scriptores possessoresque codicum medii aevi, unter: Risperger, Conradus (http://ervwebserver.erwin-rauner.de.0083bfjk18ff.emedia1.bsb-muenchen.de/scriptposs/script_nom.asp, abgerufen am 05.09.2022) und in Colophons 1, Nr. 3047. Allerdings bezieht sich dieser Kolophon offensichtlich auf den 186r endenden Text. Diese Seite ist die erste der Lage (186–189), sie wurde vollständig durch Rasur getilgt und scheint in keinem unmittelbaren inhaltlichen Zusammenhang mit dem vorausgehenden Text zu stehen. Möglicherweise kann die Datierung nicht nur auf den getilgten Text, sondern auch auf das folgende Hymnar bezogen werden. Walz (Konrad, S. 343–344) vermutet, dass in Pal. lat. 516 der zugehörige Sommerteil vorliegt. Für diese These spricht, dass mindestens zwei Schreiberhände an beiden Bänden gearbeitet haben (s. Angaben zu Schreiber / Schrift). Das Brevier wurde mit Sicherheit in Heidelberg an der Heiliggeistkirche benutzt und vermutlich schon für diese hergestellt. 10v Eintrag im Kalendarium zum 29. Dez.: Anno domini mo cccco xlo iiio tercia die ante Lucie ego Albertus investitus sum ad vicariam sancte crucis ecclesie sancti spiritus. Am 11. Dez. 1443 wurde Albertus, der Besitzer des Breviers, als Vikar am Heiligkreuzaltar der Heidelberger Heiliggeistkirche investiert. Die Ergänzungen des Kalendariums (s. Nachträge) stammen zumeist von seiner Hand (das Kalendarium in Pal. lat. 516 weist mehr Feste und keine Nachträge auf). Die Unstimmigkeiten im Textablauf der beiden Brevierteile (vgl. Pal. lat. 516) könnten darauf hinweisen, dass die Teilung in Sommer- und Winterteil nachträglich vorgenommen oder verändert wurde, vgl. auch die Lagenzählung. 1623 mit den Bänden der Heidelberger Palatina in die vatikanische Bibliothek verbracht. 1r Capsa-Nr.: C. 96. Entsprechend im Allacci-Register verzeichnet (Pal. lat. 1949, 9r: 970 Breviarium. 4. C. 96.). Ältere Signaturen: 1r 275, 347 beide gestrichen. Besitzstempel der BAV: 1r, 5r, 11r, 224v.
- Literatur
- Ehrensberger, Libri liturgici, S. 284f.,
Nr. 79; Salmon, Mss. liturgiques 1, S. 142, Nr.
288; Stevenson, Latini, S. 170; Walz, Konrad, S. 343–344.
Verzeichnis der im Katalogisierungsprojekt abgekürzt zitierten Literatur
1) 1r–2r
- Titel
- Adnotationes.
- Angaben zum Text
- Ergänzende Texte zum Brevier. 1r Bittgebete für drei Nokturnen, 1v Bittgebete für die Wochentage, 2r Psalmen für ein Marienoffizium (Incipits).
- Rubrik
- 1r ›In primo nocturno‹.
- Incipit
- 1r Exaudi domine Ihesu Christe preces servitorum tuorum qui …
- Explicit
- 2r … In secunda vespera: … Lauda Ierusalem.
2) 5r–10v
- Titel
- Kalendarium.
- Incipit
- 5r Januarius habet dies xxxi, lunacio vero xxx …
- Explicit
- 10v … nox habet horas xviii, dies vero vi.
- Edition
- s. die Drucke des folgenden Breviarium Wormatiense.
3) 11r–224v
- Titel
- Breviarium Wormatiense, pars hiemalis.
- Angaben zum Text
- (11r–131r) Proprium de tempore. Vom
ersten Adventssonntag bis zur Ostermatutin. Endet mit den Laudes am Ostersonntag. Die folgende Rubrik bricht am Ende der Seite
unvollständig ab.
(131v–185v) Proprium de sanctis. (131v–175r) De sanctis ohne die Lesungen auf 178v–185v. Der Text auf 131v steht auf Rasur: Notandum est si vigilia sancti Andree venerit ante adventum domini … . (132r) ›In vigilia Andree secundum Johannem‹. In illo tempore stabat Iohannes et ex discipulis eius duo … . Die Heiligenfeste von der Vigil des hl. Andreas bis Ambrosius am 4. April. Darin abgesetzt und von anderer Hand: (136r–138v) Lectiones de sancto Andrea (infra octavas, de miraculis eius, in octava, alie lectiones de sancto Andrea). – 139rv leer. (140r–175r) Fortsetzung von 135v zum Fest des hl. Nikolaus bis Ambrosius. (175rv) Der Beginn des Proprium de sanctis, pars aestivalis: Tiburcii et Valeriani (14. April). Bricht im ersten Offizium am Ende von 175v unvollständig ab. (176r–178v) ›Ordo de beata virgine ante septuagesimam. Sexta feria in vesperas‹. Nota quando septuagesima venerit post purificationem ad primas vesperas tenentur antiphone de assumptione … . Dominus possedit me … [CAO 2418]. Ordo zu den Marienfesten vor dem Sonntag Septuagesima. (178v–185v) Lectiones tempore hiemali. Lesungen für weitere Heiligenfeste von Jodocus (13. Dez.) bis zum hl. Märtyrer Symeon (18. Feb.).
186r leer (Text getilgt).
(186v–189v) Hymnarium. ›In adventu domini ymnus ad vesperas‹. Conditor alme syderum … – … tuum defendas [populum]. Hymnen für Advent bis zur Osterzeit. Bricht mit der 7. und letzten Strophe des Hymnus "Ad coenam agni providi" unvollständig ab, die Doxologie fehlt (AH 51, Nr. 83, S. 87f.; vgl. GW 5513, Proprium de tempore, Pars aestivalis, 109v–110r).
(190r–224v) Commune sanctorum. (190r–222r) ›Incipit commune sanctorum et primo de apostolis …‹. (222r–224v) Lectiones. Lesungen zum Commune sanctorum. ›Secundum Mattheum‹. In illo tempore respondens Symon Petrus dixit ad Ihesum … – … laudabant pueri nomen domini. Tu autem. Die letzte Lesung aus Augustinus, In Iohannis euangelium tractatus (CPL 0278) über Io 17,1.
- Rubrik
- 11r ›Dominica prima in adventu domini ad vesperas antiphona‹.
- Incipit
- 11r Missus est Gabriel angelus ad Mariam virginem …
- Explicit
- 224v … laudabant pueri nomen domini.
- Edition
- Das Wormser Brevier erschien mehrfach im Inkunabeldruck, siehe GW 5513–5516. Breviarium iuxta ritum et ordinem ecclesiae Wormatiensis, Mainz 1576 (VD16 B 8205). Vgl. auch VD16 ZV 31331 und ZV 31332.
- Bearbeitet von
- Dr. Wolfgang Metzger, Universitätsbibliothek Heidelberg, 2022.
Zitierempfehlung:
Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. lat. 518. Beschreibung von: Dr. Wolfgang Metzger (Universitätsbibliothek Heidelberg), 2024.
- Katalogisierungsrichtlinien
- Die Katalogisierungsrichtlinien finden Sie hier.
Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Erschließung von 876 mittelalterlichen und frühneuzeitlichen lateinischen Handschriften der Heidelberger Bibliotheca Palatina in der Vatikanischen Bibliothek in Rom.