Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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§6 _ Betrogene Närrin.
^15^1 ausgesprochen / als wann er eines machen wolle / daß sie
gleich in die DHumacht oder Verzwerfflung fallen wolle/ dann sie
spräche: Der emtzige Gedanckcn / euch zu verlassen / ach mein liebes
Kmd/ bringt mir den Todt; Denn kein Mnschckan glauben/was
es heisset von e?nem Mann zu scheiden / den mau inniglich geliebet
hat: Alle Güter dieser Welt werden ihr ein pur lauteres Nichts
mVergleichlmg ihres Manns. Weilen er aber von seinen Gütern/
öieer verlassen solte/zu reden anfienge und sagte: Daß er zwantzig
tausend Gülden in einer Truhen hätte/ sprach sie: Uch liebes Hertz!
Wo ist der Schlüssel? Wo ist der Schlüssel? Er sprach darauff:
EristmmememSack; Sw versetzte: Ich habe solchen gleich den
ersten Augenblick/ da er sich gelegt har/ in seinem Sack gesucht/und
habe ihn nicht finden können. Da aber die Schwachheit be.y ihme
Zunahme/sprach sie: Ach! gebet euch Zur Ruhs/mein Kmd! Er<
mnett euchmw ein wenig besser dcß Schlüssels; Ach deß Schlusses!
deß Schlüssels! Und da er besablche/ daß man ihn nach seinem Todt
ehrlich begraben foles / spräche sie: Ach redet mir nichts von dem
Todr/ dasciutzigeWorr/Sterben/macht mich gantz ohnmächtig/
wann ihr sterbt, io verlange ich nicht mebr zu leben. Aber habtihr
euch schon deß Schlüssels erinnert? Wann er nur noch etwannzu
finden Wart) Uch sreylich! Und wann nur diese Liebste auch nicht
eine so betrogene Frau wäre/daß sie das Geld nicht hundert tausend
mahl mchr achtete / als den Mann -Bekannt ist jene neugebackene
Wittfrau/ welche nach der Tobren-Bahr ihres Manus gehend, fast
Lerzweiffelu Wolke/ siewemete so bitterlich/ daß man ihr gar nicht
emrathen körne darvon aufzuhören/ und weilen sich endlich eine Frau
Nachbarin dessen noch heffkiger annahme/ und ihr das grosse Wer-
nen und Klagen als schädlich zu der Gesundheit ausredeu Welte;
Ach spräche sie: Liebe Frau Nachbcmrin! Es gehet mir nicht den
Hertzen/ ich thue es nur/ weilen es also der Brauch ist/ mit der
Frauen Nachbaurm wiederumb in erlichen Monachen bey einer sch
scheu Hochzeit/ beym güldenen Enge! recht frölich zu seyn; Darm
ich
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