Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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Fastnachts - Närrin.
se wurden sie da stehen / ms ein Platonischer Mensch / also daß man
billich mit sagen kau: Sie Haber; wegen ihrer Eitelkeit Witz
und Verstand vcrlohren. Unterstehet sich jemand ihnen diese ihr teuft
lische Eitelkeit vorzufchützen/ und sie hierüber zu errnahnen / so ant-
worten sie mir einer solchen Stoltzheit/ und sagen: Daß alle gute
Ding eurweders in weiblicher Gestalt abzumahleu seyud / oder we-
nigsten mir dem weibischen Arn'cul prangen: gleich wie der Glaub/
die Hoffnung / die Lieb / die vier Jahrs-Zeiten / und alle Tugenden
werden in weiblicher Gestalt repi-Xlenciret. Also auch prangen die
Erd/die Welt / die Tugend/ die Freundlichkeit rc. mit dem weibli-
chen Articul. Aber man kan ihnen zur Antwort geben: daß drean-
gezogneDing weiblich seyn/aber darumbennichrzu acc^Mren/wei-
len sast alle Sünd und Laster mit dem Weiber/Amcul stoltziren.
AlszumEpempel: DieHoffart/die Ehrsucht/die Eitelkeit/ die
Ketzerey/die Gleißnerey/die Unzucht / die Undanckbarkeit / die
Grausamkeit / welche alle so tieffin der Weiber Hertzen eingewurtz-
lcr/ daß wann man sie kunte mir leiblichen Augen ersehen / würde
man vermeynen/man sehe einen grossen dicken finstern Wald voll der
ungeheuren Lästeren.
Alles dieses ist aber zu keiner Zeit besser zu sehen / als in den Fa-
sching oder Carneval. Der TeuM / als ein Urheber der
ra, ist vermummet / und zwar in Gestalt einer Schlangen in das
Paradeiß hinein geschlichen / und hat unsere erste Eltern Adam und
Eva schändlich zmu Fall gebracht/Was hisse verstellte Schlangen
damals gespieler/ dasrhmer noch heuriges Tags bey allen Fast-
nachts-Narren. O wie viel Hurerey/ Ehebruch / Todschläg/
Diebstahl rc.re ja viel audereLaster geschehen bey solchen lawalischen
Tantzen? Sünd ist es / daß das Ebenbild GDltes in eine solche
teuflische Gestalt verkehret wird. Dann wie viele vermummen zur
Fastnachts-Zeit ihre Augen / und verkleiden sich / lausten also ver-
mummet wie die Narren ein Gaffen ein und die andere aus; Etliche
steckenmmcrLöwen Haut/andereineinerWolffs-Haur/ etliche
N ha-
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