Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

Page: 145
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/abraham1713/0213
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Geitzige Närrin. 14s
gesund gemacht / welche einen gar elenden Zustand gehabt hat/ und
zwar / selbenhatsiebekommenvombösen Feind/non poce^ckir-
ium rslpiLere» Achtzehen gantzer Jahr Ware sie dergestalten mit
dem Leib zusammen gebogen/ daß sie memalen kunte in die Hohe
schauen / sondern nur allezeit auf die Erden Dergleichen Zustand
haben wohl mehrer Leut ? Die eine gantze Zeit nie den Himmel an-
schauen/ noch weniger denselben betrachten / sondern alle ihre G§-
dancken seynd auf die Erden und das Indische: Eine gelbe und
weisse Erden; Was ist Gold und Silber anders ? Ist der einige
Zweck/ und Absetzung ihres Hertzens; Ja einige seynd dergestalten
verhört / daß sie / umb ein schlechtes sich gar den bösen Feind ver-
schreiben/derSeelenSeeligkeit in die Schantz schlagen;Vie! seynd/
die wegen eines kleinen Verlust sich gar hencken und erträncken z sol-
len dann diese nicht Narren seyn ? Die geitzige« Mrrinnen werden
nicht allem gestrafft / sondern offt auch zeirlich/wie folgends zu sehen/
werden sie auch ausgelacht.
Eine solche geitzige Schwester ist gewesen jeneWittfrau aufei-
ner ^caciemie, diese pflegte etliche Studenten in der Kost zu halten/
aber aus Kargheit und allzugroffer Gesparsambkeit nicht zum besten
Zu crZiIrren und Zu speisen. Einsmals setzte sie unter andern ein Ge-
rücht Erbsen auf/ die so dünn gekocht waren / daß sie einander in
der Schüsse! umbjagten / und weit mehr Brühe als Erbsen darin-
nen waren. Ein kurtzwei!iger8cu6iosu8 stunde von dem Tisch auf/
fieng hurtig an/die Kleider auszuziehe^ / und als er gefragt wur-
de/ was das bedeute ? Sagteer: Wei! er des Schwimmens wol
erfahren/ wollte er sich aufdem Grund wagen / und der OompaZm
zumbestendie übrige Erbsen herausfischen : Weswegen dann em
nicht geringes Gelächter entstanden z Die Kost-Frau aber hat nach-
mahls die Erbsen nicht mehr so sparsam ausgeben und kochen lassen.
Eben dieser Student / als einsmalsvon dieser kargen Närrin ein
Wildpret im Pfeffer aufgeseßet worden / darinnen wenig Pfeffer zu
spüren/fieng er übern Mahl etlichma! Schertzweiß an zu niesen/und
T als
loading ...