Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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Gc°) K

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Die Kinder Närrin.
Je Erd bringt kein Frucht/sondern Distel wann mau sie nicht
WA mit scharffen PflugEiscn durchgräbt: Die Jugend thm kcm
WM gut / wann man sie nicht scharsshält. Das Eisen so erst aus
dem knsperten BergWerck gebrochen wird/ ist nichts gurs/ es kom-
medann der harte Hammerstreich daraus / die Jugendblcibt nichts
nutzffs man die Streich verschonet. Der Weinstock wird nicht tra-
gen/sondern verfaulen/ so nicht ein Stecken dabey stehet/die Jugend
wird nicht fleissig seyn/sondern faul/wie ein alter Gaul/ wann nicht
die Ruthen darneben steckt. Die Music wird aufKatzewArt unge-
reimbt bleiben/ wann der nn-Streich desEapellmeistcrs abgehr /
die Jugend wird sich mehrist ungereimt verhalten/ wann der n der
Eltern / oder des ^-^cepcors mangelt. Die Leinwad des Mahlers
wird keine schöne BildnuS vorstellen/wanu er den Streichen PemftL
nicht an die Hand nimmt/die Jugend wird denen Eltern keine Zier-
de bringen/wannsienichtwohl mitdemBürckenen Pemftl auf die
Leib-Farb anhalten/daun so lang MoyfeS die Ruthen in Händen ge-
habr/^xoct.4.L ist sie eine schöne Ruthen verblieben/so Halders aber
aus der Hand fallen lassen / vcrlä est colubrum, da ist gleich eine
Schlange daraus worden. Also auch meine liebste Eltern / so lang
ihr die Ruthen in Händen habt/ und eine gute scharffe Zucht führet
unter den Kindern/ so bleibet alles gut/ wann ihr aber die Ruthen
fallen lasset/ da wird gleichförmig eine Schlange daraus / ich will sa-
gen/ es ist lauter schädlichs Gisst den Kindern / so man die Ruthen
nicht in die Hand nimmt- S wie manches Kind lpäre/mit dem Eich-
Baum in ein so spöttliche Freundschafft nicht gerathen/wann es in der
Jugend mit dem BirckenBaum wäre besser bekannt gewesen. Hätte
Die Mutter oder der Vatter einem manchen Fratzen nicht so viel
uachgeseben/so wäre er nachmals auf den Galgen nicht worden also
hoch gesehen.
Dieses hat in der That erfahren jene unglückselige Mutter dise
Aa 2 . haue
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