Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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Die Mann-ptagende Närrin. 2z i
Ein Sach hab ichgelesen inGöttlicherSchrifft/worüber ich mich
dermassen verwundert / daß mir die Haar gen Berg gestiegen/es ist
etwas unerhörtes. Um GOttes Willen / wann diese Ding sollten
geschehen / wie sollte es so wunderselksam in der Welt hergehen.Was
ist es dann? Himmel und Erden müssen sich darüber verwundern/
Land und Stand kommt es fremd vor/alle Männer / dann diese ge-
het es eigentlich au/ sollen an Händen und Füssen zittern/was muß
es dann seynHerans mirderSprach.Ich bin vergewist/ daß oft man-
cher lieber über Hügel und Stiegel / durch Felder und Wälder lie-
ber / durch Hecken und Stecken lieber / Lurch Stangen und Zangen
lieber wollte lauffen - als dieses erleben. Ich will es endlich sagen:
der Prophet Esaias am 4. c. i. v- schreyet anf/ llia -rppl-ekcn-
äanciepc^m muliei-isvirumunum: esWirdeinZstt kommen/an dero
einen Mann werden sieben Weiber nehmen ;D GOtt! em Mann
sieben Weiber haben / und sieben Weiber einen Manu haben/das ist
Lrschröcklich/kanLochofftmünchermtteinerm'chrauskommen. Ou-
AO Oil spricht / daß Liese Prophezeiung seye schon vollzogen/
zur Zeit als die Hebräer in der Babylonischen Gefangenschaffl wa-
ren / daun dazumal seynd die Männer in einer solchen grossen An zahl
von Lenen Assyriern erwürget worden / daß nachmals em Mann sie-
ben Werder hat genommen.
Seye GOtt gedanckt! daß diese Prophezeiung schon einen
Ausgang erhalten/ wie wird es aber der Magd imHauß gehen/wann
sieben Weiber sollten in ein Hauß kommen; Ach: es plagt eine dis
Dienstbotten so sehr / daß man deren gar nicht mehr vonnölhen bat.
Weiber bleiben Weiber / wie sie gegenwärtig seyn/ waren sie im An-
fang / wie sie im Anfang waren / fahren sie noch immer fort zu fcyn»
Zancken hadern/turmeren/ sich viel einbilden / keinem gehorsamen/
Zucker fressen / nach eigenen Phantaseyen leben / stoltziren / närrisch
Ann um ein paar Kreutzer/ die Ehehalten fein wacker plagen / vorm
Spiegel stehen/ heimlich naschen / dann und wann die Männsr-Säck
vitmren/ der Magd mit brennenden Scheit nachlanffen/ schreym
Laß maus in die dritte Gassen Hörer / ist ihr alter Zustand-
Der
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