Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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Die Scheinheilige Närrin. , »7
üche Doch so sie in Händen hat/daß es schon so schmutzig/ wie diele«
derne MNger-Hosen/ sie last -rey hciligeMeffen lesen/ den sie mit ge-
bogenen Küysn beywohret sic verwendt die Augen/ wie ein gestoche-
nes Kalb/ sie rührt das Maul / sie erheb! die Händ/ sie schlagt die
Brust / als wann sie von Stein wäre / sie erweckt die Seufftzer / daß
nur erschröcklich ist zu sehen / sie wigt den Leib / bald hin/bald her/bald
unter sich/bald über sich/ ja vor Demuch wirffc sie sich gar zur Erde»/
cs mangelt ihr nichts / als der Schein um den Kopff Unterdessen
cupiäo der blinde Dube / spat und frühe/last ihr kein Ruhe / der alle-
weil/ mit seinem Pfeil / uud in der Cyl / in ihrem Hertzen macht viel
Schmertzen. Ey! das heisset »umeeo zwey/ und ist wieder ein anders
Capittl. »
W'-eda?
Dieses Capikcl gehört mit allemIng in das Narren-Buch/wann
die Weibsbilder ihre gute Merck zu Lonn-l-b^nä-Waaren machen/
die der TeuffelMacht har alle davon zu reissen / baß nichts mehr über-
bleibt/ was zu loben und rühmen.
Wohin Mensch ? ins kromce, das ist eine schöne Andacht/ wann
man früh Morgens GÄt! gehet Lancken / daß er uns seinen einge-
bohrnen Sohn geschenckr hat / und noch em Gedächtnuß begehet/ dec
seufftzenden Alt-Vätker/ aber in Len grossen Kirchen gehen die klei-
nen Capellen nicht ab/ wo manche zu einer Kuplerin gelanget/daß
mit der Zeit auf das womce ein Norsre heraus kommt.
Wohin ? in die Predig: Ei)! wie gut / aber sie nehme sich wol in
acht/daß sie nicht etwa» einen Verkünd-Zettel mit sich nachHauß
bringt. . ,
Wohin meine schöne Jungfrau? zum Seegen: ach ja wolan
dem ist viel/ ja alles gelegen / es ist aber zu fürchten / daß dieses Engli-
sche Tuch kein BernhämerischesZutter habe/ und man mehr dem Le-
«ecliÄ als der LenecliLtion zu Gefallen hingehet.
Wohin,wohin so gar in Eyl ?ach! ich mußgshen/sonsten glaub
ich nicht/Laß ich an dieses Heil Ort kau gelangen / was thun ? Kirch-
fahrten/ so wol- aber nehme sie sich in acht/ daß sie an statt eines wach-
senen Fuß nicht gar den gantzen Leib z»r Unzucht opffern thur.
Ich
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