Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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Die zaubmMe Närrin.
E CH bin heunt gantz toll und rasend/ ich werde heunt so zornig/als
ED ich die Zeit meines Lebens nicht gewesen warum ? Ach warum ?
ich habe einen so wunderlichen Traum gehabt / daß ich mich nicht dar-
über weiß zu begreiffen: Ich sähe eine alte Hex/ dergleichen ich nie an-
sichtig worden / ihre Haar waren nicht ungleich einer weissen Wolle/
die schon siebenzig Jahr in einer Madratzen gesteckt: die Stirn ist der-
gestalten durchgraben gewest mit Falten/ daß sie wie ein Brach-Acker
außgesehen/und weilen die Wangen beyderseirs/wie eine Grotta von
Grufft-Steinen waren/alss hat man die Nasen desto leichter für eine
verdorbene Wasser Kunst gehalten ; das Maul ist mir vorkommen
wie ein rostiges Schlüssel- Loch an einer alten Kelter,Thür/ inwendig
beschaffen wie eine Orgel/ die alle ihre Pfeiffen verlohren; der Hals
ist dergestalren zusammen geschnorffr gewesen / daß ich ihn für eine le-
derne Taschen angesehen; die Händ seynd hin und her Creutz weiß
mit solchen erhebten Adern überzogen gewesen / daßich mich verwun-
dert/ wie eine schlechte Waar mit so vielen Stricklern solte eingepackt
seyn/ und wie ich ihren Namen wissen wolre/ sähe ich den gelehrten
Jtaliäner Qiolekko LaMsso mir ins Ohr sagte: sie warejene/von wel,
chers3Lobu5 8p^nZeru8 schreibt/ die Vrywenheit ist diese ? Nachde-
me ein Araber des Heil. Jerosolymitanischen Ordens mit andern
vielen Reiß-Gefährten in einem mir Kauffmanns-Waaren reich be-
ladenen Schiffbey der Stadt Salamina in dem Königreich Cypern
an daselbstigem Gestatt anländete / und mit ihme viel auffdas Land
stiegen/zufehen/ob sienichterwas um ihr Geld möchtenzu essen über-
kommen / da kombt erstgedachter Cavalier zu einem Hauß äusser der
Stadt/neben dem Gestatt des Meers/worinnen sich ein Weib befau-
de/diese redet er an/ und fraget sie ob sie nicht Eyer zu verkauffen hät-
te ? Diese sähe den Jüngling an/ hatte ob seiner Schön-und Tapsser-
heiteinsonders Wohlgefallen/ anbey vermerckende/daß er ein Aus-
länder wäre; endlich meldtte sie er solle ein wenig Gedulr haben/und
Jii z verzie-
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