Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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XII.
Die wallonische Gemeinde zu Heidelberg.
Als in Frankreich die Protestanten in der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts blutig verfolgt wurden, entschlossen sich Viele der-
selben, aus der Heimath wegzuziehen. So kamen schon in den 60er
Jahren jenes Jahrhunderts Flüchtlinge in die Pfalz, und wurden
hier vom Churfürsten Friedrich III. willig ausgenommen. Am
Ende des 18. Jahrhunderts gab man sich bei der churfürstlichen Re-
gierung, als es sich um das Besetzungsrecht der Psarrstelle der wal-
lonischen oder französischen Gemeinde in Heidelberg handelte, alle
Mühe, den Ursprung dieser Gemeinde nachzuweisen. In den: hierauf
erfolgten „Archivbericht" nun heißt es: „Die mit den aus
Frankreich im 16. Jahrhundert vertriebenen Hugenotten oder
Wallonen, welche in der Stadt Heidelberg ausgenommen worden,
errichtete Capitulation ist in dem hiesigen Archiv nicht zu finden
gewesen. In: Jahre 1562 haben sich dergleichen aus Frankreich hin-
weggezogene Protestanten auch in Frankenthal niedergelassen. Mit
diesen ist von Friedrich III. eine Capitulation (die in hiesigen
Stellen aufbewahrt ist) abgeschlossen worden; weil zu vermuthen ist,
daß man die Heidelberger Wallonen unter denselben Beding-
nissen ausgenommen hat, so will ich das, ums in Betreff ihres
Gottesdienstes re. in der Frankenthaler Capitulation ausgemacht wor-
den, wörtlich hierhersetzen: „Zum Andern, dieweil diese verjagte
Christen als nunmehr der Pfalz Unterthanen ihre eigene Kirche (zu
Frankenthal) haben, und darin von Nothwendigkeit ihrer Mutter-
sprache wegen die Predigt des hl. Evangeliums, auch Administration
der hl. Saeramente, derselben ihrer Sprachen Eigenschaft nachzu
hören und christlich zu üben gebrauchen müssen, damit künftig kein
Mißverständnis) fürfallen, noch etwas Unrichtigkeit daraus erwachsen
»rag, so ist vom Churfürsten ausdrücklich ihnen auferlegt, auch durch
sie angenommen, bewilligt und versprochen, daß sie alle sammt und
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