Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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O. WEINREICH

(18, dazu Drexler) vielleicht ein orientalischer Gott steckt
(Azizes?), wie denn oft ein griechischer Götternanie, der
hohes Alter und grosses Ansehen für sich hat, zur Bezeich-
nung einer einheimischen, der fremden aber wesensverwand·
ten Gottheit gewählt wird. Dies scheint der Fall zu sein bei
dem Apoll in Pisidien (8); das zur Inschrift gehörige Relief
zeigt den in Kleinasien so häufigen Typus eines berittenen
Mannes. Vielleicht ist es Sozon, der mit Apollon öfter gegli-
chen wird1; wir kennen ja Sozon Epekoos aus Phrygien, der
als Reitergott mit Strahlenkranz dargestellt ist (87). Der
Apoll des Felsheiligtums in Pisidien (9) ist schon durch den
Zusatz ’A πολλών ι Περμ[ινο]δέων als Loealgott gekennzeichnet,
ebenso im kyzikenischen Gebiet Dionysos Kebrenios (49)
— Dionysos ohne Localnameu in Kayalii als επήκοος2 be-
zeugt (48) — und in Sivrihissar die Göttermutter, die nur
hier als Satyreinaia Epekoos bekannt ist (68), während sie
in Aphrodisias unter der bekannteren Epiklesis Oreia (Körte,
AM. XXVIII 1898, 94 f.; Höfer in Roschers Lexikon III 946)
verehrt wird (69). Bei dem Votivcippus aus Tsehak-räs in Pisi-
dien (56) möchte man vermuten, dass er einer einheimischen
Gottheit zugedacht ist, die nur der griechischen Hera gegli-
chen wird. Ähnlich liegt es wohl bei den Weihungen an
Poseidon (76; 77); die erste trägt eine Reiterdarstellung in
Relief, die bei der zweiten vorgesehen, aber nicht ausgeführt
ist. Auch da scheint es sich um den kleinasiatischen Typus
des reitenden Gottes zu handeln.
Von typisch kleiuasiatischen Gottheiten wurde Sozon

' Ramsaj1, Cities and bishoprics of Phrygia I 262 ff.; Usener, Götter-
namen 174 ff.; Koerte, AM. XXV 1900, 432 f.; Gruppe, Griech. Mythol.
334, 1 ; 1236, 6.
- Επήκοος wie Κεβρήνιος ist in der Liste der Kultnamen des Diony-
sos, Pauly-Wissowa V 1062 ff. hinzuzufügen. Ist es ein beabsichtigtes Wort-
spiel, wenn Kallimachos in dem eben von Crusius (Philologus LXX 1911,
561 ff.) behandelten Epigramm 48 das Votivbild des tragischen Dionysos
von sich sagen lässt: εγώ δ’ άνά τήδε κεχηνώς | κείμαι τοϋ 2αμίου διπλόον
ό τραγικός ( παιδαρίων Διόνυσος επήκοος? Statt der Gebete, die sonst die
Götter (oder ihre Rilder) als έπήκοοι hören und erhören, muss hier der
gelangweilte Gott den Schulbuben zuhören, wie sie ihm ‘ιερός ό πλόκαμος'
vorleiern, so dass er gähnend den Mund der Maske aufsperrt.
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