Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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O. WEINREICH

passt dazu ganz gut, dass unsere Inschrift κατά ονείρου επιτα-
γήν geweiht ist, eine Formel, die natürlich nicht nur im Kreis
von Gottheiten mit Heilfunction vorkommt, aber sich doch

Nr. 179; Kern im Genethliakon für Robert 1910, 94 A. 1). Diesen Meter-
Inschriften reiht sich als fünfte die unsrige an. Sonst ist εύάντητος in-
schriftlich, so viel ich sehe, nur noch für Zeus Urios bezeugt, CIG. 3797 -
Kaibel, Ep. Gr. 779. In der literarischen Überlieferung ist es ebenfalls nicht
häufig (Jessen, Pauly-Wissowa VI 845), in den orphischen Hymnen findet
es sich für Prothyraia II 5, Nyx III 13, die Kureten XXXI 7 und, durch
die Analogie der Inschriften besonders bemerkenswert, bei der Meter An-
taia XLI 10 (vgl. Dieterich, de hymnis Orphicis 14 = Kleine Schriften, hrsg.
v. Wünsch, 1911, 78 f.; auch 126 und 130). Zu nennen sind ferner zwei
Verse aus einem Hymnos bei Hippolytos IV 35 p. 102 D. Schn.: Γοργώ
και Μορμώ καί Μήνη ποικιλόμορτρε | ελθοις εύάντητος έφ’ ήμετέρησι θυη-
λαίς und endlich zwei Stellen aus Nonnos’ Dionysiaka, wo Dionysos XXVII
178 und Hera XXXV 316 εΰάντητος heissen. Ich bin näher auf diese Dinge
eingegangen, weil εΰάντητος in der Liste der Übereinstimmungen zwischen
Nonnos und den orphischen Hymnen steht, die kürzlich M. Hauck, De
hymnorum Orphicorum aetate 29 (Diss. Breslau 1911; der vollständige
Druck in den Bresl. philol. Ablvandl. 43 ist mir nicht zugänglich) gegeben
und diese wie andere Übereinstimmungen zur Datierung der Hymnen be-
nutzt hat. Sein Ergebnis, sie seien nach Nonnos (den eben Friedländer, Her-
mes XLVII 1912, 43 ff. mit sehr beachtenswerten Gründen der Zeit von
440-490 zuweist), von dessen metrischen Gesetzen auch nicht eines beob-
achtet wird, und nach Proklos zu setzen, beruht, soweit ich aus der Dis-
sertation sehe (vgl. auch Aly, Deutsche Lit. - Zeitung 1 911, 2855), lediglich
auf der Beurteilung dieser literarischen Berührungen, ohne Rücksicht auf
den religionsgeschichtlichen Inhalt der Hymnen, den niemand wagen wird
ins V. oder VI. Jh. zu setzen, und ohne Rücksicht auf die Inschriften, die
doch bei derartigen wortgeschichtlichen Untersuchungen unbedingt heran-
zuziehen waren. Dass das Vorkommen von εύάντητος bei Nonnos und in
den orphischen Hymnen absolut nichts für Abhängigkeit dieser von jenem
beweist, hoffe ich durch den Hinweis auf die älteren Inschriften gezeigt zu
haben, und wie dieser geht auch mancher andere Ausdruck bei beiden auf
eine gemeinsame Quelle zurück, die Kultsprache. Es geht nicht an, diese
immer deutlicher werdenden Beziehungen der orphischen Hymnen zu
kleinasiatischen Kulten, zu den dort inschriftlich bezeugten Namen und
Epitheta, auf die schon 'Dieterich hingewiesen hatte, zu vernachlässigen.
Seitdem hat sich das Material erheblich vermehrt, namentlich Pergamon
scheint berufen, eine wichtige Rolle bei der Frage nach der Heimat der
orphischen Hymnen zu spielen, vgl. darüber Hepding, AM. XXXV 1910,
445; Kern, a. a. O. 89 ff.; Hermes XLVI 1911, 431 ff.; Keil - Premerstein,
Deukschr. d. Wiener Akad. LIV 1911, 97 zu Nr. 188.
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