Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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EIN THESSALISCHER GOLD- UND SILBERFÜND
denen aus Hildesheim nach Pernice-Winter, a. a. O. 11 der
Fall war. Sowohl dieses wie das erwähnte, bis auf den Boden
verlorene enthielten jedenfalls wohlriechendes Öl. Vgl. Tlieo-
krit, Idyll. XIV 113: Συρίω δέ μύρω χρΰσεΡ αλάβαστρα. Danach
ist es höchst wahrscheinlich, dass das Grab einer Frau ange-
hörte. Das wird auch durch die übrigen Funde, besonders
die aus Gold, bestätigt. Schon der erste Eindruck der Bauern
war ein ähnlicher: sie fabelten davon, dass das Grab einer
sehr schönen Geliebten des Landesfürsten angehört habe,
welche von dessen gesetzlichen Ehefrauen aus Neid vergiftet
worden sei. Jener habe dann ihr zu Ehren die Menge golde-
ner und silberner Schmuckgegenstände und anderer Dinge
ins Grab gelegt.
Taf. II ist nach Photographien Rohrers vom Original
hergestellt, Taf. III nach einer abgerollten Zeichnung, die
von der künstlerischen Hand Gillierons stammt.
Der Boden des Alabastron ist halbkugelförmig; er
wurde also auf einen hölzernen oder anderen Untersatz ge-
stellt. Er trägt in flachem Relief zarte Ornamente in Form
von Oliven- oder Myrtenblättern, die mit Eichenblättern
abwechseln. Über diesem Blattornament wurde ein kreisrun-
des Band durch zwei granulierte parallele Kreise angedeutet,
deren Zwischenraum durch S-artige Verzierungen, ähnlich
denen der Guirlande am Rande der nachstehenden Pyxis, aus-
gefüllt ist. Dieser Umstand sowie andere technische Ähnlich-
keiten deuten darauf hin, dass beide Gefässe höchst wahr-
scheinlich in derselben Werkstatt verfertigt sind. Spuren
einer Vergoldung des Bodens sind nicht vorhanden.
Mündung und Hals ähneln den Amphoren mit ihren
verbreiterten und ausladenden Rändern. Um den Hals schlingt
sich ein schöner, sehr feiner Epheuzweig, mit Blättern und
Früchten, in erhabener Arbeit, aber in seinen Einzelheiten
vertieft. Geringe Spuren von Vergoldung sind daran erhal-
ten; er war ursprünglich ganz vergoldet.
Unter dem Halse, am leicht hervortretenden Schulteran-
satz, befindet sich dasselbe Ornament wie am oberen Teile
des Bodens. Die Alten haben es άνθεμίδες genannt, wie
später bei Behandlung der Pyxis ausgeführt wird.
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