Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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EIN THESS ALISCHER GOLD- UND SILBERFUND

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noch in Arkadien und anderswo bei grossen Gelagen heisst:
ήπιαμε to κρασί μέ την τέσα. Solche situlae sind im Grabe in
Stücken gefunden worden; über zwei nicht abgebildete der-
artige Gefässe vgl. Abschnitt IX S. 109. In der zur Schulter
erhobenen Linken hält der Eros eine spitze Amphora, die
man sich natürlich mit Wein gefüllt zu denken hat. Ein Ge-
wand ist an ihm nicht erkennbar; das Haar ist kurz, etwas
ungeordnet und ohne die kranzförmige Flechte, da er als
παίς τραπεζοκόμος anzusehen ist.
In einiger Entfernung von ihm, rechts von dem Tanzen-
den, schreitet ein fünfter kleiner Eros nach rechts, wen-
det aber plötzlich den Oberkörper und den Kopf nach der ent-
gegengesetzten Richtung. Er trägt das Gewand kreuzweise
um den Oberleib, während es auf den Rücken flatternd her-
abfällt. Das Gewicht des Körpers ruht auf dem rechten Bein,
während das linke ein wenig zurückgebogen ist, als ob er
tanzte. Sein Flügel ist erhoben und schematisch gebildet.
Die rechte Hand, die einen Gegenstand hält oder eher ein
auf dem Rücken hängendes Säckchen schleppt, hält er vor
die Brust; die linke streckt er mit Lebhaftigkeit gerade aus;
sie trägt einen nach oben gerichteten länglichen oder kegel-
förmigen Gegenstand, ähnlich einer Castagnette oder einem
Trinkhorn (ρυτόν). Unter dem Ellbogen der rechten Hand
befindet sich eine Anschwellung, vielleicht nur ein Auswuchs
der Patina, sonst vielleicht ein Gegenstand, der dann wohl
am Gürtel des Eros hing.
Au den Körpern der Eroten ist keine Spur von Vergol-
dung erhalten noch überhaupt vorhanden gewesen, wohl
aber auf dem Grunde zwischen ihnen, damit die Figuren
sich von dem Hauptbilde unter ihnen unterschieden und
malerisch hervorträten; der Grund selbst war glatt.
Diese ganze Darstellung ist Nachahmung eines Origi-
nals wahrscheinlich der alexandrinischen Kunst (vgl. Theo-
krit Id. XV 120; über kleine Eroten auf einem alexandri-
nischen Alabastron siehe Abschnitt XI); denn solche spie-
lenden kleinen Eroten finden sich in Menge auf pompejani-
schen Wandmalereien und anderen Kunstwerken, die den
unverkennbaren Einfluss der alexandrinischen Kunst zeigen.

ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXVII

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