Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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EIN T HESS A LISCH KR GOLD- UND SILBERFUND 117
Darstellungen auf ihre Art ausgebildet. Ihre conservative
Haltung entsprach offenbar dem Schönheitssinn und dem
Markte ihrer Zeit. In der Technik wurde die alte Methode
des Hämmerns und Treibens beibehalten, an Stelle des schwe-
ren und kostspieligen Gusses, der bedeutende Anlagen erfor-
derte. Auch darin war die alexandrinische Toreutik, die
zahlreiche Werke hersteilen konnte, der festländischen über-
legen: aber diese vermied die fabrikmässige Oberflächlichkeit
der Ausführung durch sorgsame Handarbeit. Diese ist der
Bewunderung eher wert als die von Pernice-Winter (a. a. O.
1 7) gepriesene technische Eigenart und Vollendung der ge-
gossenen alexandrinischen Gefässe.
Ein Resultat dieser verschiedenen Methoden ist auch
die abweichende Art der Vergoldung. Bei rascher Her-
stellung ist die sorgsam malerische, schöne Vergoldung er-
schwerend, da sie viel Zeit und grosse Aufmerksamkeit erfor-
dert. So sehen wir denn nur ganz wenige Spuren davon an
alexandrinischen Werken. Freilich mag man in Alexandria
auch vielfach rein goldene Gefässe geliefert haben, während
das an Edelmetall ärmere Festland mehr Vergoldung an-
wandte, und zwar mit ausgezeichneter Sorgfalt und Ge-
schmack, wie wir oben S. 78 sahen. Das hat wohl auch der
Verbreitung und dem Verkauf dieser Gefässe sehr genützt.
Wir müssen endlich noch untersuchen, in wie weit sich
einzelne Centren festländischer Toreutik feststellen lassen:
eine sehr schwere Aufgabe, vor allem durch das Fehlen der
Monumente. Vorläufig können wir nur negativ einen Punkt
dieser Frage berühren: darf man eine besondere local thes-
salische Schule in der festländischen Toreutik annehmen?
Oben (S. 99.101) habe ich wegen technischer Unterschiede
diese Frage verneint, obwohl ich bei meinen verhältnismässig
kleinen Grabungen im Phthiotischen Theben, in Pagasai, im
Heiligtum des Apollon Koropaios und sonst Proben sehr
verschiedenartiger ‘ megarischer’ Becher gefunden habe, und
in unserem Schatze selbst locale Typen wie die Athena Ito-
nia Vorkommen. Denn ich sehe nicht nur diese Silbergefässe
und Goldsachen als Import aus einer nicht allzu weit ent-
fernten festländischen Werkstatt an, sondern auch die ‘mega-
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