Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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G. RODENWALDT

der festländischen Malerei ziemlich früh ansetzen. Zu dem-
selben Resultat gelangen wir von einem anderen Ausgangs-
punkte aus, wenn wir das Gemälde mit den Malereien von
Tiryns vergleichen; nach seinen Farben, der regelmässigen
Form des Zahnornaments und dem Stil gehört es zur Gruppe
der Malereien des älteren Palastes (vgl. AM. XXXVI 1911,
198 ff.). Wir dürfen den Pinax daher als frühmykenisch be-
zeichnen1; ob er noch dem Anfänge dieser Periode, der Zeit
der Schachtgräber, oder ihrer zweiten Hälfte, der Zeit der
älteren Kuppelgräber angehört, lässt sich nicht entscheiden.
Das Bild weicht in einigen Details von den Regeln der
Wandmalerei ab. Zunächst sind meist Bild und Ornament
durch einen neutralen weissen Streifen voneinander getrennt
(vgl. Tiryns II Cap. IV); doch gibt es auch in der Wandma-
lerei davon Ausnahmen. Dagegen hat niemals bei Wandor-
namenten der gelbe Streifen des Zahnornaments schwarze,
sondern ausnahmlos rote Querstriche; nur bei Gewandborten
kommen auch schwarze Querstriche vor. Ganz vereinzelt
aber ist die Angabe von Details durch Ritzlinien, für die mir
aus der kretisch-mykenischen Malerei sonst kein weiteres
Beispiel bekannt ist. Diese besondere Feinheit ist auf eine
nahe und eingehende Betrachtung berechnet, wie sie einem
Wandfriese selten zu Teil wird. Keinesfalls dürfen diese
Unregelmässigkeiten zu der Annahme fremden Imports ver-
leiten, denn sie sind der kretischen Malerei nicht weniger
fremd. Sie dürfen es um so weniger, als wir im übrigen den
führungen dieser im Druck befindlichen Veröffentlichung muss für diese
und andere Nachweise verwiesen werden.
1 Die Teilung der bisher frühmykenisch genannten Zeit in eine friih-
mykenische und eine inittelmykenische Periode (Fimmen, Zeit und Dauer
29 ff.) scheint mir die Verschiedenheit des Schachtgräber- und Kuppelgrä-
berstils gegenüber der spätmykenisclien Periode zu stark zu betonen. Sie
beruhte auf der irrigen Gleichsetzung des Stils der Kakovatos-Vasen mit
dem Palaststil, der tatsächlich stilistisch später ist (K. Müller, AM. XXXIV
1909, 269 ff.). — Der zusammen mit dem Pinax gefundene Skarabäus mit
dem Namen der Königin Teje (Έφ. άρχ. 1887, 169 Taf. 13, 21 ; Fimmen,
Zeit und Dauer 64 f.) gibt keinerlei Anhaltspunkt für die Datierung, denn
der Skarabäus kann lange im Gebrauch gewesen oder der Pinax Jahrhun-
derte früher ausgeführt worden sein.
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