Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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M. BIEBER

Backenbärtchen des blonden Epheben— ganz der Malerei
überlassen. Der Penis ist besonders eingesetzt und war durch
einen von oben hereingeschobenen Bronzestift befestigt, von
dem noch Spuren vorhanden sind. Alle diese Sonderheiten
vereint finden sich nur wieder an dem Torso vom Heraion
von Samos in Vathy Nr. 20 (Abb. 2 nach Phot. d. Inst. Sa-
mos 112), zu dem schon Wiegand (AM. XXV 1900, 153 Nr. 6)
das Athener Fragment herangezogen und erwähnt hat, dass
die Befestigung mit dem Stift ebenso für die Unterarme der
Koren auf der Akropolis angewandt wurde. Ähnliche Bildun-
gen kommen noch auf mehreren ionischen und attischen
Werken vor. Die obere dünne, scharf abgesetzte Spitze des
Schamhaars zeigen Vasen des Euphronios — z. B. die Innen-
bilder der Schalen Hartwig, Meisterschalen Taf. VIII und
XIV — also Werke desselben Meisters, der den dem blonden
Epheben so verwandten Achilleuskopf gezeichnet hat. Fer-
ner haben sie die Metopen des Athener-Schatzhauses in Del-
phi (z. B. Fouilles de Delphes PI. XLII, XLVI-XLVII 4 u. 5,
XLVIII 1 und die bisher unpublizierten Fragmente im Mu-
seum von Delphi Nr. 403, 706 u. 2029), die Torsen 39 und II
auf Delos (Curtius zu Br.-Br. Taf. 601-604 S. 10 ff. Abb. 11-14
u. 16-19), das Grabrelief in Delphi (Pomtow, Beitr. z. Topo-
graphie v. Delphi Taf. XII 34 u. S.111,1; Homolle, Centenaire
des anticpiaires de France 217 ff. PI. XII; Bulle, Der schöne
Mensch 265), das Curtius (a.a.O. 1 9) dem Pythagoras zuschreibt,
mehrere Nachbildungen des Apollon von Kanachos in Milet1
u. a.2 Der untere, scharf abgegrenzte Halbring findet sich

1 An dem Relief aus Milet (Kekule, Sitz.-Ber. d. Berliner Akad. 1904
I 786 ff.; vgl. Curtius zu Br.-Br. 601-604 S. 27 f. Anm. 28) ist die Stelle zer-
stört. Deutlich ist sie dagegen an dem Torso in Cambridge (Furtwängler,
Statuenkopieen, Abh. d. bayr. Ak. d. Wiss. XX 573 f.; Joubiu, Sculpture
grecque 88 f. Fig. 16), der wegen seiner grossen Übereinstimmung mit dem
Relief zur Reconstruction der Statue des Kanachos herangezogen werden
muss, selbst wenn die Fundnotiz Milet bei Joubin (a.a.O. Anm. 4) nicht
richtig sein sollte. Ferner haben sie die beiden Bronzestatuetten in Delphi
(Fouilles de Delphes V 35 f. Nr. 39 u. 40 PI. 111 u. II 1) und der Apollon
Payne Kniglit im British Museum (Catalogue of Bronzes Nr. 209 PI. I).
2 Vgl. Wiegand, AM. XXV 1900, 154 und Deonna, Apollons archa'i-
ques 87 f.
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