Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1910-.1911

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Evangelium (Inscr. Brit. Mus. 994; AM. XXIV 1899, 293):
ειρηνεΰουσιν μεν γάρ γη και Φάλαττα, πόλεις δέ άνθοΰσιν εΐινο-
μίαι όμονοίαι τε και ευετηρίαι. . . (vergl. auch CIG. 2957). Der
Soter bringt das Heil in die Welt, der Gottmensch oder der
wirkliche Gott, die Soteira, die Göttin oder des Gottmen-
schen Gemahlin. Dieser Begriff des θεός σωτήρ ist es, der
die Verbindung mit den Mysterien herstellt (so deutlich bei
Demetrius), der auch zur Ausbildung des Herrscherkultes
das Wesentlichste beigetragen hat. Der Άεός επιφανής steht
zwar auf der gleichen Stufe; der ιΊεός ευεργέτης dürfte hin-
gegen erst in zweiter Linie massgebend sein (Schwartz, Rh.
Mus. XL 1885, 254).
Unsere Altäre stammen nun alle annähernd aus der glei-
chen Zeit, derselben, der die Renovation des ganzen Hei-
ligtumes verdankt wird. Combinationen mit Münzen machen
es wahrscheinlich, dass dies unter Antoninus Pius geschah
(v. Fritze, Münzen von Perg., Anh. d. Abh. d. Berl. Akad.
1910, 87; AM. XXXV 1910, 442). Dieser nun lässt 147 die
achten Säcularspiele feiern (Marqu.-Wissowa, Röm. St.-V.
III 390). Da kommt man in Versuchung, mit diesem Ereig-
nis in Rom die pergamenischen Weihungen zusammenzu-
bringen, die in ihrer Gesamtheit ja wie ein Ruf um ein
neues saeculum sind, an Demeter gerichtet, so wie die
ludi saeculares vom Kult der Erde ausgehen; man könnte
sie auffassen wie einen Reflex auf den Mysterienkult in
Pergamon. Doch ist über blosse Vermutung nicht fortzu-
kommen, zumal eine Notwendigkeit eines solchen äusseren
Anlasses für diese Weihungen nicht eigentlich zu bestehen
braucht und beliebigere Ereignisse einer Stadtgemeinde
schon die nötigen Daten liefern können. Immerhin werden
diese Weihungen ein gewisses Interesse beanspruchen dür-
fen, und wenn die angedeuteten Gedankengänge im allge-
meinen richtig sind, dürfte der Zusammenhang mit den
orpliischen Hymnen vielleicht auch weniger ein direkter
sein, als vielmehr auf einer beiden gemeinsamen Sehnsucht
nach der σωτηρία überhaupt begründet. Doch möchte ich
auf diese Frage hier nicht weiter eingehen (s. Kern, Her-
mes 1911, 431).
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