Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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A. IPPEL.

III. DIE EINZELFUNDE

ten Stoff, und ebenso die Beine. Der Aussencontur des
Standbeines ist durchaus klar gelassen, von der Seite ge-
sehen ergibt sich sogar die Form von Wade und Schenkel
bis zum Glutäus hinauf (Abb. 12); ebenso ist das linke Knie
noch gerade neben dem überhängenden Zipfel sichtbar, die
Aussenlinie der Wade ist fast wie nackt gezeichnet, auch
ist vom Oberschenkel noch ein Stück gezeigt. Die Stellung
der Figur ist hierdurch klar angegeben, auch die eigent-
liche Ansichtsseite bestimmt. Nicht verwenden darf man zu
deren Bestimmung den Einwand, dass die Marmorstütze
hinter dem rechten Fuss bei dieser Ansicht sichtbar bleibt,
während sie bei einer Ansicht mehr von rechts her ver-
schwindet. Der Eindruck ist allerdings bei dieser kleinen
Verschiebung bereits ein erheblich anderer, aber nicht der
beabsichtigte; denn das linke Bein ist jetzt ganz unklar,
auch wirkt der linke Arm beunruhigend, da die Schulter
etwas stärker verdeckt wird. Das würde neben der Fund-
tatsache beweisen, dass die Statue auf Ansicht mehr von
der linken Seite her berechnet gewesen ist, also nicht in der
Mitte, sondern auf dem oben bezeiclineten schmaleren Basis-
teil bei der Adobogiona stehen muss.
Zur Wiedergabe des stofflichen Charakters des Mantels
hat sich der Künstler mit einigen Liegefalten und weich
eingedrückten Flauschfalten begnügt, z. B. links von der
Brust. Im übrigen wirkt der Mantel mehr gezeichnet als
plastisch oder gar malerisch. Ebenso ist das Fleisch ganz
unstofflich behandelt, mehr nur das Lineare der Formener-
scheinung berücksichtigt. Ohne die Muskeln im einzelnen
anzugeben, sind die Formen kanonisch, knapp, flach behan-
delt, nur der Sägemuskel springt heraus; ein kräftiger, aber
unindividueller und im hellenistischen Sinne nicht athleti-
scher Körper. Das einzig Merkwürdige ist die Bildung der
Brustwarzen, die wie kleine aufgesetzte Scheiben aussehen.
Der Marmor ist weder beim Fleisch noch etwa beim Mantel
poliert, sondern die feinen Spuren des Zahneisens und Ras-
pels sind durchgängig stehen gelassen, bei einigen Partien
des Mantels etwas stärker, z. B. über dem rechten Fuss.
An den Füssen trägt die Gestalt sorgfältig gearbeitete
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