Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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S. LOESCHCKE. V. TSCHANDARLI

zwar in Typus 19, der als einzige Tassenform in beiden
Techniken vorkommt und sich gleich Typus 9 besonders
zahlreich fand. Ferner wurde auch Typus 19 vornehmlich
in zwei Grössen hergestellt, die denjenigen der Untertas-
sen gut entsprechen k Dieser Tassentypus kommt in Ger-
manien seit spätaugusteischer Zeit vor, wennschon nicht
häufig; Haltern Typus 12. Die Untertassen Typus 9 kenne
ich nördlich der Alpen nicht.
Typus 10. Kelchgefässe. Scherben von Kelchgefässen
waren in II und IV häufig, während im jüngeren Schutt (III)
nur ein einziges sehr plumpes Fussfragment lag. Da auch
in Gallien und Germanien der Sigillatakelch seit claudischer
Zeit so gut wie ganz fehlt, werden wir nunmehr zu der An-
nahme neigen, dass er auch in Kleinasien um die Mitte des
ersten Jahrhunderts verschwunden ist. Die Profilierung der
in Tscliandarli nachgewiesenen Fragmente schwankt kaum>
wenn auch an der charakteristisch geformten Lippe der
schmale oberste Randstreifen bald sehr wenig, bald stärker
emporgezogen ist. Die darunterliegende breite Kehle ist ty-
pisch, ebenso der scharfe, durch ein bis zwei kräftige Ril-
len noch stärker betonte Knick nach dem Gefässbauch,
dessen gedrückt-halbkugelförmige Wandung völlig unver-
ziert ist; dass sie einmal mit parallelen umlaufenden Ril-
len bedeckt ist, bleibt Ausnahme und ist ein von Typus 29
übernommener anspruchsloser Schmuck. Der Fuss ist stets
als recht plumper Stengelfuss mit breiter Standplatte ge-
formt, mit fast senkrecht abfallendem unteren Abschluss-
rand. Besonders bei seiner Bildung fällt es auf, wie weit
dieser Typus in der Einzelprofilierung hinter den augustei-
schen arretinischen Exemplaren zurücksteht; vgl. Haltern
Typus 18 und 19. Vor allem unterscheiden sich aber die Kel-
che von Tschandarli von den bekannten italischen Stücken
dadurch, dass die köstlichen Reliefbilder, die uns das wert-
vollste an der italisch-augusteischen Keramik sind, bei
den Producten von Tschandarli bisher völlig fehlen. Anzei-

1 Auf der Typentafel ist zufällig nur ein kleines Exemplar der Täss-
chen abgebildet, von den Untertassen hingegen nur zwei grosse.
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