Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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S. LOESCHCKE. V. TSCHANDARLI

aufgesucht.—Ausser monochromen Vasen enthielten die von
Hamdi-Bey geöffneten Gräber auch spätmykenische
Vasen, deren reichstes Stück die bei Perrot-Cliipiez Fig. 489,
491 abgebildete Bügelkanne ist mit einem grossen Polyp,
zwischen dessen Armen Fische und Vögel, ja sogar ein
Igel und ein Pferd gemalt sind.—Von sonstigen Gattungen
des I. Jahrtausends v. Chr. nenne ich an erster Stelle die
rliodi sch-milesisehe Art, von der ein auf beiden Sei-
ten mit flechtbandähnlich ineinander greifenden Haken be-
maltes Lippenstück auf dem Mauerstumpf in Schnitt III
sich fand. Auch in der Nekropole Hamdi-Beys kam die
Gattung vor und Pottier und Reinach publicieren Neer, de
Myrina Fig. 57 gleichfalls ein Fragment aus Tschandarli.—
Sonstige schwarzfigurige Vasen scheinen gleichfalls
recht selten zu sein. Ein korinthischer Aryballos ist bei
Pottier und Reinach a. a. O. Fig. 58 abgebildet und ein Split-
ter einer unattischen sf. Vase lag in Schnitt II. — Gleich-
falls im Weinberg las ich ein paar attisch-rotfigurige
Scherbchen auf.—Hellenistisch-griechische schwar-
ze Firnisware lag, wie ich schon erwähnte, vornehmlich
in Höhe des Mauersockels in Schnitt II und III, fand sich
vor allem in bunter Mannigfaltigkeit an der schon mehrfach
genannten Stelle der Westküste, gegenüber der kleinen In-
sel; einige jener Scherben waren noch mit gelben Thon-
schlickgehängen bemalt. Scherben ‘megarischer Becher’ — s.
auch Neer, de Myr. S. 237—fehlen an dieser Stelle nicht.
Auch sieht man dort mehrfach die thongrundige Ware mit
stumpfroten gefirnissten Rändern, wie sie—soviel ich weiss—
im Innern des pergamenisehen Altars vorkommt. Ein Ein-
schnitt an jenem reichen Fundplatz der Insel gegenüber
brächte gewiss mancherlei Förderung. Schliesslich sind eine
ganze Reihe weissgrundierter hellenistischer Kannen mit
Gelbmalerei, laut Conze Kleinfunde 18, nach Constantinopel
gelangt. Die Keramik der hellenistischen Zeit scheint also
sehr stark vertreten zu sein und auch-zahlreiche schöne Ter-
racotten1 soll man in Tschandarli gefunden haben.

Eine ganze Anzahl kleiner Fragmente von geringwertigen Terra-
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