Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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DIE ALTGRIECHISCHE KUNST UND HOMER

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rationen oder sogar nur von Jahrzehnten spricht, ist es besonders
dankenswert, daß er selbst mehrere Tatsachen anführt, die gegen
seine, aber für meine Datierung sprechen. Er führt nämlich
einige Fälle an, wo die gleichen Dinge schon in mykenischer
Zeit und dann erst wieder nach einer Pause von mehreren
Jahrhunderten vorkommen sollen, wo also bei seiner Datierung
unerklärliche Liicken von langer Dauer bestehen. So erinnert
er (S. 129) an das Vorkommen geometrischer, sogenannter
‘dorischer’ Dreifiiße, die aus Olympia und andern Heiligtiimern
wohl bekannt sind und von Furtwängler dem IX. und VIII. Jh.
zugeschrieben werden, schon in einem Grabe von Zafer Papura
bei Knossos, das er dem XIV. Jh. zuteilt. So weist er ferner
darauf hin, daß eine gewisse Art durchbrochener Verzierungen
an Dreifüßen und anderen Geräten in mykenischer Zeit (also
vor 1100) vorkomme und sich erst wieder an italischen Bronzen
zeige, die er dem VIII. und VII. Jh. zuweisen miisse. Hier sei
also wiederum eine Liicke von mehreren Jahrhunderten vor-
handen, die schwer zu fiillen sei. Dieselbe Liicke findet er
S. 154 weiter zwischen den phönikischen Schalen der 18. und
19. Dynastie (XV.—XIII. Jh.) und den Metallschalen des VIII.
und VII. Jhs. und fiigt hinzu: ‘Es ist um so mehr meine Pflicht,
hierauf hinzuweisen, als ich die Schwierigkeit nicht heben kann’.
Wenn er trotz dieser fiir ihn unerklärlichen und seiner These
widersprechenden Tatsachen seine Beweisfiihrung mit der von
Watzinger abgedruckten Behauptung schließt (S. 155): ‘Keines-
falls darf man die orientalisierende Periode der griechischen
Kunst etwa hinaufriicken, um sie der mykenischen zu nähern;
dagegen sprechen alle Tatsachen, die wir im Vorstehenden
kennengelernt haben’, so zeigen allein schon die soeben ange-
fiihrten Tatsachen, daß der letzte Teil dieser Behauptung unrichtig
ist. Denn diese ‘Tatsachen’ sprechen nicht nur nicht gegen
eine Hinaufdatierung der dem VII. und VIII. Jh. zugewiesenen
Gegenstände, sondern fordern sie mit Bestimmtheit.

Dazu kommt noch, daß auch von den anderen ‘Tatsachen’
einige als unsicher oder gar als irrig nachgewiesen werden
können. Hierzu rechne ich z. B. seine Datierung der Dreifuß-
becken mit Greifenköpfen und Flügelwesen und der sogenannten
Etagenperücken. Ich werde diesen Nachweis in meinem Buche

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