Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 4.1970

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P. Suján und J. Völkel den Pressburger Salon
gründete und eine Mitgliedsbasis zu organisieren
begann.
Auf dieses Beginnen reagierte der Chronikar
und Förderer des Kunstvereines, der Arzt Dr.
Oskar Szelényi,27 in seinen Artikeln, die auch
als selbständige Publikation erschienen. In der
Broschüre über die Zukunft des Pressburger
Kunstvereines aus dem Jahre 1911 weisst er
überzeugend darauf hin, dass das Handeln der
bildenden Künstler der Leitung des Vereins zwar
verständlich war, die Existenz des Kunstvereins
jedoch gefährdete. Es wäre bedeutend richtiger
gewesen, alles zu unternehmen, um den Verein
von N euem auf die Beine zu stellen, seine Statuten
und die Verhältnisse der Mitglieder zu reformieren.
Vor allem sollte man an den Bau eines selbständi-
gen Ausstellungspavillons herantreten, da durch
diesen eine Regeneration des ganzen künstlerischen
Lebens der Stadt eintreten würde. Szelényi schlug
vor im Herbst 1911 eine Jubiläumsausstellung
zu veranstalten. Diese sollte zum 25sten Jahrestag
der Gründung des Vereins stattfinden. Bei dieser
Gelegenheit sollte der Grundstein für den Aus-
stellungspavillon und zwar in mitten des heutigen
Hviezdoslavplatz (damalige Promenade) gegenüber
dem Stadttheater gelegt werden. Die Konzeption
des Pavillons und Möglichkeit seiner Realisation
erleutert Szelényi genau, wobei er auch die Gründe
des allgemeinen Verfalls beachtet. Er betrachtet
es als unlogisch, dass der Pressburger Kunstverein,
der im Jahre 1885 227, im Jahre 1886 schon
333 Mitglieder zählte, im Jahre 1911, nachdem
sich die Einwohnerzahl der Stadt fast verdoppelt
hatte, auf nur 187 Mitglieder zurücksank. Unter
solchen Bedingungen decke der Mitgliedsbeitrag
nicht einmal die Ausstellungsregie des Vereins.
Andererseits wäre dies nicht verwunderlich, da
die Mitglieder zu Recht mit dem niedrigen Niveau
und der seltenen Veranstaltung von Ausstellungen
unzufrieden waren. Szelényi schreibt abschliessend,
dass der Mitgliedsbeitrag von 6 auf 10 Kronen
erhöht werden sollte, dass man auch die Gebühren
für die grundlegende und unterstützende Mit-
gliedsschaft regeln sollte. Andererseits wäre es
nötig, auch die Verpflichtungen des Vereins seinen
Mitgliedern gegenüber zu ändern, da diese auf
viel konkretere Vorteile Anspruch hätten.
Szelényi’s Vorschlag des Baues eines Pavillons
und einer Reform des Vereins wurde nicht durch-

geführt. Es kam auch zu keiner Jubiläumsaus-
stellung. Im April 1912 reagierte auf die Idee des
Pavillonbaues P. Suján, den Szelényi als Projek-
tanten vorschlug. Er hatte zur Platzierung und
auch zu den mit dem Bau verbundenen Problemen
seine Einwände. Um die Rentabilität des Hauses
zu sichern, schlug er vor, darin ein vom Verein
verwaltetes Kino zu errichten. Im Jahre 1913 ver-
öffentlichte Szelényi eine weitere Broschüre, in
der er seine Konzeption präzisierte und die
Pressburger kulturelle Öffentlichkeit förmlich alla-
mierte, sie möge sich die Idee des Pavillons
aneignen. Er schreibt: ,,In Bratislava ist die
Kunst noch immer ein heimatloser Vagabund,
dem man hier und da und hier und dort aus
Gefälligkeit ein vorübergehendes Heim genehmigt.
„Nach einer Beratung mit dem Architekten Franz
Wimmer, der damals in München wirkte, schlug
er vor, den Pavillon am Ende des Hviezdoslav-
platzes (damals Kossuthplatz) zu erbauen, um die
Einheit des Raumes nicht zu stören. Er stellte
fest, dass die im Bau befindliche Redoute, die
Schwierigkeiten der Künstler nicht lösen würde,
da in ihr kein geeigneter Raum mit Deckenlicht
wäre. Er wiederholt sein Projekt, wie man die
notwendigen finanziellen Mittel beschaffen könnte
und endet mit dem Auffruf, sogleich mit der
Arbeit zu beginnen. Szelényi’s flammender Aufruf
versank jedoch auch diesmal in der Plüschlethargie
des damaligen Pressburger Lebens.
Der Pressburger Kunstverein trug in seinem
Wirken alle Merkmale einer provinziellen Orga-
nisation. Die bildenden Künstler hatten in ihm
nie das entscheidenden Wort, da sie auf ihre
Mäzene aus den Reihen der städtischen Hierarchie
angewiesen waren. Da die Vereinseinnahmen mit
der Mitgliederzahl stiegen oder sanken, war der
Verein materiell von jedem abhängig, der bereit
war den Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Dies waren
hauptsächlich die örtlichen Malerdilletanten, deren
Anzahl die wenigen professionell vorbereiteten
Künstler überwog. Als Kornel Spányik das Prinzip
durchsetzte, dass Dilletanten von ordentlichen
Ausstellungen ausgeschlossen werden sollten, sank
die Mitgliederzahl sprunghaft.
Aus diesem verzauberten Kreis gab es keinen
Ausweg, da Bratislava vor dem Jahre 1918 keinen
Zustrom von Künstlern aus eigenen Quellen
vorzuweisen hatte. Fähige Kräfte wurden von
Wien und Budapest angezogen. Jeder professionell

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