Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 4.1970

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Slowakei zusammenhängt, ist entweder nur eine
Episode, oder gehört nicht in die Geschichte
unserer bildenden. Kunst. Die Gässchen Alt-
Pressburgs waren Motive für grobgeschnittene
Graphiken von Steger und Frech, diese sind jedoch
schon eher in die Zeit nach dem Umsturz zu
verlegen. Aus der Umgebung der Kolonie von
Detva erwuchs die historisch bedeutende Graphik
des Tschechen Miloš Jiränek (der Zyklus Die
Räuber).
Die Gebrauchsgraphik, hauptsächlich auf dem
Gebiet des Plakates und Buches, erfordert eine
tiefere, speziellere Forschung, da uns bis jetzt
eine zuverlässlichere Übersicht über das Material
fehlt. Die Schwierigkeiten bestehen darin, dass
sich viele Informationsquellen weder kontrollieren,
noch konfrontieren lassen. Dies wäre jedoch
wünschenswert, da die laienhaften Kriterien der
damaligen Journalistik eine sehr unzuverlässliche
Einschätzung zur Folge hatten.
Unter den Genren der Malerei, die wir uns zum
Ziel unserer Nachforschungen in dieser Zeit nah-
men, ist eine ausschliessliche Überlegenheit der
kameralen Malerei zu sehen und dies einerseits
deshalb, weil, wie schon erwähnt, auf slowakischem.
Gebiet kein wirkliches métropoles Zentrum ent-
stand, andererseits auch deshalb, weil praktisch
alle monumental-dekorative Malerei ein Import
in unser Gebiet war (ihre Autoren waren fast
ausschliesslich bildende Künstler aus Budapest).
Was im heimischen Milieu entstand, waren ent-
weder einzelne Versuche, die nur eine Episode
im Schaffen des betreffenden Malers bedeuteten,
oder die gewöhnliche handwerkliche Produktion
der Kirchen- oder Zimmermaler, die kein Gegen-
stand unserer Aufmersamkeit sein kann.
Die gesellschaftlichen Bedingungen dieser Zeit
und die Traditionen des Studiums an den damaligen
Schulen der bildenden Kunst verursachen, dass
der Schwerpunkt der Aktivität und der Proble-
matik auch zu Beginn des Jahrhunderts im
Porträt lag und dies einerseits in einem engeren
(dokumentarischen oder offiziellen) Sinn, anderer-
seits im weiteren Sinn als Genre.
Aus der grossen Zahl von Malerporträts- und
Genreporträtsarbeiten können wir hier nur einige
charakteristische Konzeptionen erwähnen.
Ein ausgeprägter programmierter „Traditiona-
list“ war Andor Borüth. Er bekannte sich zum
Erbe der holländischen Malerei und zum Ideal


Ján Koniarek, Pro Patria, bronz, 1914—18 (Foto Hideg).

des psychologisch typologischen Porträts, wie
cs sich in München herauskristallisierte. Borüth’s
souveräne Malart war eine Sythese der rem-
brandtischen und halsischen Konzeption. Eine
neuere Variante von Borüth’s Versuchen im Por-
trät war das clair-obscur Ideal des Porträts bei
Peter Julius Kern, der jedoch zum Unterschied
von Borüth eine Vollendung betonte, die bis zu
einer Glätte bei seinen älteren Arbeiten führte.
Eine weitere Art des Traditionalismus stellt
die künstlerische Ansicht Milan Mitrovský’s
dar. Er wollte aus den Prinzipien der alten Meister,
hauptsächlich der Renaissance, seine Lehren
ziehen. In meisten Fällen sind jedoch seine streng
architektonisch aufgebauten Porträts eher statisch
skulpturell, als ob in ihnen einige Elemente des
Kubismus entfernt zur Geltung kämen.
Bei mehreren Autoren sehen wir ein Wanken
in der stilistischen Auffassung des Porträts je nach
dem, ob es sich um ein offizielles Porträt, oder
um eine freie Genre-Porträtstudie handelt. Ein
markantes Beispiel einer solchen Ambivalence
ist das malerische Schaffen Eiemir Halász-Hradil’s,
aber auch die Porträts von Max Schurmann.
Beide sind im dokumentären Porträt voll den
akademischen Prinzipien verpflichtet (was jedoch
auch vom gesellschaftlichen Konsumenten, ver-

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