Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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dem gegenwärtigen Gr o ßh erzogt hu me vereinigt wurden —
dieser merkwürdige Verlauf geschah nach allgemeinen geschichtlichen
Entwickelungs gesehen, kann daher mit Aehnlichem in an-
deren Staaten verglichen und in ungezwungenem Zusammen-
hänge klar und faßlich dargestellt werden.
Die erste Trennung in zwei sich feindlich gegenüberstehende
Theile, wovon jetzt noch der volksthümliche Unterschied zwischen
Ober- und Unterland herstammt, geschah in Folge der
Schlacht von Zülpich 496, wo die Alemannen von den längst
eifersüchtigen Franken besiegt und bis an die Murg zurück-
gedrängt wurden. Ein Vertrag mit den: Sieger erhielt ihnen
einen Schein politischer Selbstständigkeit ihres Stammes als Be-
standtheil der fränkischen Monarchie.
Von dem an gehörte die obere Hälfte unseres Landes zum
Herzogthume Schwaben, und die untere zum Hcrzogthume
Franken, welches wieder in ein rheinisches und östliches zerfiel.
Der Murgfluß aber blieb die Markscheide, und noch behauptet
derselbe einen Rest dieser Bedeutung in der Abtheilung unserer
Grundherren und als Gränzlinie des Ober- und Unterlandes.
Und seit damals bis heutzutage spricht man vom Murg-
fluße aufwärts alemannisch und abwärts fränkisch, wäh-
rend der Unterschied in der seelischen Beschaffenheit der beider-
seitigen Bevölkerung ein eben so großer geblieben ist. Denn
bewegt sich der muntere, geschliffene und beredte Pfälzer nicht
in ganz andern Sitten und Anschauungen, als der nüchterne,
gemessene Hanauer, oder der eckige, wortkarge Hauenstei-
ner, oder der derbe, sarkastische Baarer?
Die Alemannen und Franken aber hatten ein sehr ein-
faches Wesen mit nach dem Oberrheine gebracht. Den Rö-
mern und Galliern erschienen sie als Halbwilde; denn Natio-
nen, welche schon an den Folgen der Ueberkultur leiden, halten
die kernhafte Einfalt unverdorbener Völker für Barbarei.
Bald genug jedoch eiferten unsere germanischen Vor-
ältern, bei ihrem angebornen Nachahmungstriebe, fleißig den
Wälschen nach (eultnm et eopias OsIIoruin ullrmmimnt), was
wir auch redlich von ihnen geerbt haben. Und so entstand die eigen-
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