Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

Page: 484
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badenia1859/0502
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
484

Zwei fromme Siedler führten ihn
Zur Klause, die von Fern' erschien.
Ein schlichtes Mahl, ein troknes Kleid,
Ein ländlich Bett war schnell bereit.
Die nahm der Gast mit freud'gem Dank,
Pflog süßer Rast nach Speis und Trank.
Kein Imbiß schmekt' ihm je so gut,
So herrlich halt' er nie geruht.
Er schlief, wie's Vög'lein auf dem Baum,
Und träumte einen Jakobstraum,
Bis sich der Helle Morgenstral
Gottgrüßend durch die Fenster stahl.
Und also herzbeseligt ganz
Von stiller Andacht FriedenSglanz
Sprach er: „Ein Kloster werd' erbaut,
Wo ich den Rettungsstern geschaut;
Damit noch mancher Wandersmann,
Vom Sturm verfolgt, da rasten kann;
Damit noch manches Rettungslicht
Aus diesem Waldesdunkel bricht."
Und wie er'S sprach, so ward's vollführt.
Von Jakob's Fürstenstab berührt
Erhob sich die bescheid'ne Klaus,
Zu einem schmuken Gotteshaus.
Vergangen ist das Kloster jezt,
Das einst so Manchen hat ergezt.
Ein Kreuz nur raget noch tn's Blau
Und trägt die Worte noch zur Schau:
„Ob auch die Welt in Trümmer geht,
Das Kreuz doch unerschüttert steht;
Und ob das Herz im Kampfe bricht —
Mein Herr und Christ, dich laß' ich nicht."
Der erste Einsidler auf dem Fremersberge war Bruder
Heinrich, gebürtig aus Mülhausen im Elsaße. Er hatte seine
Hütte mit einem Kapellchen daneben im Jahre 1411 erbaut und
führte darin als Leineweber ein so arbeitsames, gottgefälliges
Leben, daß die Umwohner die größte Achtung vor dem Manne
gewannen und ihn immer häufiger besuchten. Auch währte es
loading ...