Bächle, Hans-Wolfgang
Das Adelsgeschlecht der Woellwarth — Schwäbisch Gmünd: Einhorn-Verlag, 2010

Page: 111
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Ihre „Hofstatt auf dem Stürzei“, einem Vorhügel des Albuchs, verkauften Wilhelm
von Jagstheim und sein Sohn 1418 für 841 Gulden an Georg III. von Woellwarth
zu Lauterburg, dem Graf Eberhard III. schon 1413 Essingen und Lauterburg ver-
pfändet hatte. 1479 kauften die Woellwarth beide Orte.
Im Laufe des 16. Jh. erwarben die Woellwarth auch die Güter anderer Grundbe-
sitzer, so Georg Heinrich 1528 die Kloster Kirchheim’schen Güter und Rechte in
Essingen, Dauerwang, Forst usw. samt Kirchensätzen und Pfarrlehen für 8.000
Gulden; sodann ab 1540 die Spitalgüter für 3.200 Gulden mit Zustimmung des
Rats zu Gmünd, auch einige Gotteszell’sche Güter für 700 Gulden, und schließlich
verkaufte auch Dietrich von Horkheim auf Schnaitberg seine Güter 1543 für 1.900
Gulden. Weitere Arrondierungen erfolgten durch Vergleiche mit der Laubacher Li-
nie im 16. Jh. / 2. Hälfte.11
9.11 Ein Duell und seine Folgen
Ein harter Schlag für die Woellwarth-Familie war folglich das Schicksal, das Alexan-
der Maximilian (1662 — 1718) traf. Dieser war Rittmeister sowie im Ausschuss und
Ritterrat des Kantons Kocher. Doch er geriet in einen langwierigen Lehensstreit mit
der Fürstpropstei Ellwangen, in dessen Verlauf er sich auf der Straße bei Zimmern
1693 mit dem Eilwangischen Kammerrat und Landkapitän Conrad Friedmann
duellierte. Offenbar kam Alexander bei diesem Zweikampf in Bedrängnis, so dass
sein Diener auf Zuruf den Friedmann erschoss, um seinen Herrn zu retten. Alsbald
wurde Alexander von ellwangischen Reitern in Essingen ausgehoben, nach Ellwan-
gen abgeführt und dort gefangen gesetzt. Erst 1695 hob Kaiser Leopold die Haft
auf, doch blieb es bei Hausarrest und vor allem haftete Alexander mit allen seinen
Gütern.1
9.12 Verlust der Oberburg und eines Drittels von Essingen
Der Prozess über das Duell und die anschließende Haftstrafe verschlangen Unsum-
men, so dass Alexander mit Zustimmung des Ritterkantons Kocher ein Drittel von
Essingen mit der Oberburg und Anteilen an den Hoheitsrechten verkaufen muss-
te.28 Als Käufer trat 1696/97 Maximilian Freiherr von Degenfeld auf, der 41.000
Gulden bezahlte und 100 Dukaten. Die sogenannte Oberburg, heute Dorotheenhof
genannt, befindet sich im Südosten des Ortskerns von Essingen unweit der Pfarrkir-
che (508 m üNN). Die etwas erhöhte Lage des im 16. Jh. erbauten Schlosses wird
durch eine hohe Mauer betont. Der zweigeschossige Hauptbau mit hohem Sattel-
dach trägt Dachgaupen. Ein Querbau mit Schopfwalm lässt den Hauptbau umso
größer erscheinen. Die Fassade mit drei Kraggeschossen im Giebel besitzt im Erdge-
schoss ein Rundbogenportal, das Ziel einer flachen Rampe. Seitlich steht ein runder
Erkerturm, von dem aus die Eingangs- und Gartenseite einzusehen ist. Der sanft
ansteigende Park mit stattlichen Bäumen wird von einer Mauer umschlossen.5

Das Adelsgeschlecht der Woellwarth

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