Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Seite: 274
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Auf die Familie des Augustes bez. Denkmäler.

Arbeit des Gemmensehneiders ohnehin wohl eine längere Zeit in Anspruch
nahm. Bei dieser vorausgesetzten Uebertragung könnte es geschehen
sein, dass auf der rechten Seite eine oder ein paar Figuren aus
Mangel an Platz wegfallen mussten, weil die Form des Cameo der
des Urbilds nicht ganz entsprach. Wenigstens liegt die Vermutung
nahe, dass das Emblem des Capricornus und das thronende Paar
auf der Originaldarstellung genau die Mitte eingenommen und dass
im unteren Streifen noch eine fünfte Figur die rechte Gruppe ab-
schloss. Auf dem grossen Pariser Cameo ist zwar auch nicht das
thronende Paar als solches, sondern der rechts sitzende Tiberius in
die Mitte gerückt. Allein Augustus hat der Roma gegenüber eine
andere Stellung als Livia gegenüber Tiberius. Jene sind sich voll-
kommen ebenbürtig und Augustus ist sogar der speciell Gefeierte,
während auf dem Pariser Cameo Livia eine mehr oder weniger se-
cundäre Rolle spielt. Der Zusatz sodann einer fünften Figur im
unteren Felde würde nicht nur die Leere des Hintergrundes, die sich
dort fühlbar macht, ausgefüllt, sondern auch ein besseres Gleich-
gewicht gegenüber der linken Gruppe hergestellt haben: Je fünf
enger mit einander verflochtene Figuren durch die sich bückende zu
einem künstlerischen Ganzen vereinigt.

Als Ort der Verfertigung wird gewöhnlich Alexandria oder irgend
eine bedeutende Stadt des Orients angenommen, insofern mit Recht,
als die Kunst des Steinschnitts dort besonders blühte und so kost-
bares Material am leichtesten dort zu treffen war. Der angebliche
Fundort Palästina dagegen hat nichts damit zu schaffen; denn das
Kunstwerk konnte lange im Orient gemacht sein, war aber höchst
wahrscheinlich doch für Rom bestellt. Auch der dem Gegenstand
entnommene und hauptsächlich für das Original in Betracht kommende
Grund, dass eine Zusammenstellung des Kaisers mit der Göttin Roma
eher auf die Provinz als auf Italien weise*, ist nicht stichhaltig.
Nur die Errichtung von gemeinsamen Tempeln in Rom lehnte Au-
gustus ab. Eine Zusammenstellung mit Roma auf einem historischen
Gemälde scheint das Mass dessen, was zu seinen Lebzeiten in Be-
ziehung auf Schmeichelei erlaubt war, nicht überstiegen zu haben.

Nam in urlie qtndem pertinacissime abstimmt hoc hönore, Suet. Aug. 52.
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