Das Buch für alle: illustrierte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie und Jedermann — 39.1904

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Heft 21.





Illuftri

erte Familien-Zeitung.





Jahrg. 1904.



Drei Seſchwiſter.

Koman von Renriette v. Meerheimb.
(Fortſetzung.)

"ssh (Nachcruck verboten.)

ch, wie ich mich auf Hans-Henning freue!“
sagte Karola. „Wir wollen zuſammen



2
hinter den Haſen her. Das iſt zu schön!

NI

s "W Morgen nachmittag fahren wir nach
Hinrichshagen, reingemacht iſt das Haus ſchon, alle
Jenster geputzt. Ich helfe dir beim Einräumen. Wir
werden's ſchon hübſch machen. Sonntags kommt ihr



reiten . im Herbſt über die Stoppeln



immer zum Essen zu uns, und einmal in der Woche
wir zu ench. Es wird zu ſchönl

Hilde zwang sich ein Lächeln ab. Karolas Frende
tat ihr wohl. Unwillkürlich tauchte der Gedanke in
ihr auf: Wenn Hans-Hennings Herz frei wäre,
wie leicht ebnete sich dann alles! Karola war durch
ihre verſtorbene Mutter wohlhabend, und der Ontel
tat für seinen Liebling gewiß auch alles, was in
seinen Kräften ſtand. Aber Hans-Henning liebte
ja Sitta, die ſchöne, zarte, verwöhnte Sitta! Ihm
würde Karolas Friſche derb, ihr luſtiges Plaudern
unbedeutend vorkommen, wenn er ſie mit der Ge-
liebten verglich.

Sie fuhren sehr bald nach Hinrichshagen hin-
über. Hilde mußte ihre Erwartungen, die nie ſehr
groß gewesen waren, noch erheblich herabſtimmen.



Das Wohnhaus ſah bescheiden wie ein Pächterhans,
der Garten mit einigen Obſtbäumen und Blumen-
beeten sehr verſchönerungsbedürftig aus. Die Lage
von Hinrichshagen konnte nur ein fanatisch in seine
Heimat verliebter Märker ſchön finden. Hilde wollte
ein Schluchzen in der Kehle aufsteigen, wenn ſie
diese niedrigen Stuben, die gesſcheuerten Dielen, die
kleinen Fenster, von denen aus man in den bäu-
riſchen sonnigen Garten sah, mit Rotenwalde ver-
glich. Aber sie bezwang ſich, um Karola nicht zu
kränken, die ihr so treulich half.

Die aus Rotenwalde mitgebrachten Möbel, Bil-
der und Teppiche machten auch bald alles behag-
licher. Die Gardinen schleppten zwar lang am Boden,
ein Teppich deckte bequem zwei Stuben, aber ſchließ-
lich gelang es doch, Ordnung zu ſchaffen.





RN]. 1904.







Die Genedlktinerabtei êhelk in Niedersöſterreich. Nach einer Photographie von HN. Schuhmann in Wien. (S. 461)
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