Blümner, Hugo ; Schorn, Otto von
Geschichte des Kunstgewerbes in Einzeldarstellungen (Band 1): Das antike Kunstgewerbe nach seinen verschiedenen Zweigen — Leipzig, 1885

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den Fvrtschritt zur Fvlge hubcu müsseu, lehrt uus die Thutsache,
daß hcutc uoch viclfnch üu Orieut, voruehmlich in Judicu, mit
ganz primitiveu Hilfsmittclu Prachtstofsc hergcstcllt werdcu, die
iu uusereu Gewcrbemusccn als mustergiltigc Probcn und Vvr-
bildcr für die europäische Jndustrie aufbewahrt werdeir Sv
habcu auch die Altcn sich bereits darauf verstandcu, vermittelst
eiues überaus cinfnchcn Webstuhls, dcr die grvßte Zeit dcs
Altcrtums hindurch ohne wesentliche Veränderung ganz die
gleiche Konstrultion bchalteu zu habcn schciut (und zwar vornehm-
lich die Form des vertikalen Stuhles, da die Existenz des hori-
zontalen Wcbstuhls im Altcrtum eine streitige Sache ist), die
einfacheu, uugcmustertcn uud glattcn Stoffe, die mannigfaltigstcn
ein- oder mchrfarbigen Gcwebe, Köperstofse, buntgemustertc Zeugc,
ja figurcureichc Buutwirlercicu kuustvollster Art herzustclleu.

Das voruehmste Material der antiken Textilkuust bildet die
Schafwvlle. Sie ist in Griecheuland, wie in Jtalieu, von
jeher in sv überwiegcudcr Weise der übliche Webcstoff gcwesen,
daß danebcn dic Bedeutung allcr audcreu, selbst des Flachscs,
uur schr nicdrig auzuschlageu ist. BeideLander produzicrteu Wvlle
in vorzüglicher Qualitüt uud bezogen uebenbei auch noch vvm
Auslaude, vou Spauieu und Kleinasicu Vornehmlich, Nohmate-
rial wic verarbeitete Stosfc. Je uach dcm Zweck der Gewcbc
als llnter- oder Obcrklcidcr, als Wintcr- odcr Sommcrtracht zu
dicnen, für Klcidnug vdcr sür Teppichc, Dcckcn u. dgl. verwaudt
zn werden, stellte man dünncrc odcr dickcre Gcwebe hcr: vom
leichtestcn, fast durchsichtigen Gazcstoff an bis zum dicksteu, pclzähn-
lichen Filz; die den Altcn vollständig geläufigen Prozcduren
des Kämmens und Kratzens dcr Wolle, sotvic des Walkcns und
Apprctierens, machten es möglich, dcn vcrschicdcnartigsten An-
forderiiugen gcrccht zu werden. Ebcnso wic die Stärke des Ge-
webes wurde auch dic Farbe dcsselben dem jcdesmaligcn Bedürf-
uisse augepaßt. Es ist bezcichucnd, daß mau gcwisse Wollsortcn
nicht blvß wcgcu ihrcr Fciuheit, svndcrn auch wegcn ihrer uatür-
lichen cchtc» Farbe schätztc, wclchc cinc weiterc Färbung übcr-
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