Blümner, Hugo ; Schorn, Otto von
Geschichte des Kunstgewerbes in Einzeldarstellungen (Band 1): Das antike Kunstgewerbe nach seinen verschiedenen Zweigen — Leipzig, 1885

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duktm. „Man zeigc die Töpfe, die ciu Volk hervorbrachtc, uud
es läßt sich im allgcmcinen sageu, welcher Art cs war und auf
welcher Stufe der Bildung es sich befand" (Scmper.)*) Mit
diesen Erzeugnissen der antiken Keramik wollen wir uns zunächst
bcschäftigen.

Zwei Gesichtspunktc sind es, die wir dabei vornehmlich ins
Ange zu sassen haben: dic Form der Gefäße und ihre Orna-
mentik. Allerdings sehlt es auch nicht an Gefäßen, welche
der Ornamentik gänzlich cntbehren und lediglich hinsichtlich ihrer
Form in Betracht kommen; aber die überwicgendc Mehrzahl der
uns crhaltenen, besseren Töpserwaren der klassischen Zeit er-
mangelt nicht des künstlerischen Schmuckes, mag derselbe nuu
in einfacheu eingeritzten Linien, mag er in Bemalung, wie bei
der Mehrzahl der griechischen, oder in Reliefs, wie in der
römischen Töpferei, sich dokumentieren. Wenn im folgeudeu
uamentlich bei der Keramik der Griechen und Römer das Haupt-
gewicht auf die Oruamentik gelegt wird, so geschieht dies mit
Rücksicht darauf, daß die Form der Gefäße in unserem zweiteu
Hauptteil noch im Zusammcnhang zur Besprechung gelangen wird.

Gesäßbildncrei.

Bei den Erzeugnisscn der alten Töpferei hat man im all-
gemeinen zu unterscheidcu zwischen den allerfrühesten, uur mit
der Hand geformten und daher meist sehr unvollkommenen Ge-
fäßen und denen, welche auf dem Rade oder dcr Töpferschcibe
hergestellt sind. Allerdings ist die Anzahl von Gefäßen der
ersteren Gattuug verhältnismäßig gering; denn die Erfindung
der Töpferscheibe geht bis in die frühesten Zeiten der mensch-
lichen Kultur zuriick, wcnn auch vielfach in manchen Ländern
ihr Gebrauch zu eiuer Zeit, da anderwärts längst nicht mehr
aus freicr Hand geformt wurde, noch unbekannt war.

*) Der Slil, 2. Dlufl, II, 3.

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