Blümner, Hugo ; Schorn, Otto von
Geschichte des Kunstgewerbes in Einzeldarstellungen (Band 1): Das antike Kunstgewerbe nach seinen verschiedenen Zweigen — Leipzig, 1885

Page: 212
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bluemner1885bd1/0223
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
212

Herstellung von Gefäßen u. dgl. beschäftigte, die gleichfnlls als
lnnstgewerbliche Fabrikatc gelten müssen. Anch das dürftc noch
in Bctracht kommen, daß keine der hohen Künste durch Beschaffen-
heit nnd Größe des Materials in der Weise beschrünkt ist, wie
die Glyptik.

Wir betrachten im folgenden znnächst die Technik der Stein-
schncidckunst, um weiterhin einen Blick anf die historische Ent-
wickelung der Glyptik im Altertum zu werfen.

Die Alten vcrwandten für Schmncksachcn, Ninge u. dgl. die
wichtigsten der hcute bekannten Edelsteinc und einc sehr beden-
tende Zahl von Halbedelsteinen, und sie zcigen in der Art, wie
sie die vcrschicdenen Steine verwendet und behandclt habcn, das-
selbc feine Gcfühl für dcn bcstimmten Charakter eincs jedcn
Stoffes, welchcs sie durchwcg in ihrcn kunstgewcrblichcn Arbeiten
crkcnncn lassen. Der wertvollste unserer modernen Edelsteine,
der Diamant, nahm auch im Altcrtum bereits die glciche Stclle
in dcr Wertschätzung der Jnwelen ein. Ob man ihn freilich so
hänfig wie hcute für Schmucksachen aller Art, als Ohrgchängc,
Diademc, Broschcn u. dgl. gebraucht hat, läßt sich nicht mehr
fcststellen; es ist das jcdoch, schon weil der Diamantenreichtum
dcr Alten nicht sehr bedcntend gewcsen sein kann, nicht gcradc
wahrscheinlich, vielmehr hat cs dcn Anschein, daß man ihn wesent-
lich als Ningstcin verwandte, und zwar einfach geschliffen, nic-
mals gravicrt. Denn obglcich man sich offcnbar darauf vcr-
stand, diesen härtesten aller Edelsteine vcrmittelst seincs eigenen
Staubcs zu schleifen, so vermicd man es doch, ihn durch Gra-
vierung seines grvßtcn Vvrzugcs, des wnndervollcn Farben-
spielcs, zu berauben. Auch Sapphir und Nubin wurdcn in der
Ncgel nicht graviert, hingegcn hänfig als Ningsteine wic in an-
dcrwcitigcm Schmuck gctragcn. Von sonstigcn Edelstcincn, welche
sowohl geschliffen, als graviert getragcn wurdcn, nennen wir nvch
den Topas, Smaragd, Beryll (Aquamarin), Granat, Opal,
Chrysolith und Türkis; dvch sind nnter diesen manche, welchc
nur scltcn geschnitten wnrden, namentlich sind gravicrte Sma-
loading ...