Braun, Joseph
Der christliche Altar in seiner geschichtlichen Entwicklung (Band 1): Arten, Bestandteile, Altargrab, Weihe, Symbolik — München, 1924

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Siebentes Kapitel. Die Art der Aufstellung des Altares 407

SIEBENTES KAPITEL

DIE ART DER AUFSTELLUNG DES ALTARES

I. VORBEMERKUNG

Es ist eine zjw_eifache Aufstellung des Altares möglich. Er
wird nämlich entweder mit seiner Rückseite giner Wand (Apsis-, Kapellen-,
Querschiff-, Seitenschiff-, Pfeilerwand) vorgebaut oder freistehend im Altar-
raum errichtet. In dem einen wie in dem anderen Falle kann er zur An-
bringung eines Retabels, eines Tabernakels oder der Leuchterbänke mit
einem Hinterbau versehen werden, der aber bei der ersten Art der Auf-
stellung, weil zwischen Altar und Wand eingeschoben, zur Folge hat, daß der
Altar letzterer nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar angelehnt erscheint.
Um den Altar herumzugehen, ist natürlich nur tunlich, wenn derselbe frei
steht. Die Möglichkeit, an seiner Rückseite zu zelebrieren, ist jedoch stets
nur dann gegeben, wenn er eines Hinterbaues entbehrt und so weit von der
Wand abgerückt ist, daß hinter ihm genügend Raum für den zelebrierenden
Priester liegt.

Eine kirchliche Vorschrift, nach welcher der Altar freistehend auf-
zustellen wäre, gibt es nicht. Allerdings soll nach dem römischen Pontifikale bei der
Altarweihe ein Priester ständig inzensierend um den Altar herumgehen, während der
Bischof die Salbungen desselben vornimmt. Ebenso soll der Bischof nach jeder
Salbung einmal den Altar ringsum inzensieren. Allein das eine wie das andere gilt
dem kirchlichen Brauch gemäß nur, wenn das die Art der Aufstellung des Altares
gestattet, d. h. wenn er oder der Hinterbau, dem er vorgesetzt ist, genügend von der
Wand entfernt ist. Es sind demnach beide Weisen an sich gleich zulässig. Im
einzelnen Falle müssen die jeweiligen Umstände, namentlich die örtlichen Verhält-
nisse und die Größe des für den Altar verfügbaren Raumes, entscheiden, welche der-
selben zu wählen ist. Einem Hinterbau wird man den Altar immer vorzustellen
haben, wenn sein Retabel zu breit, zu mächtig und zu schwer ist, als daß es auf der
Mensa selbst aufgebaut werden könnte.

II. DIE AUFSTELLUNG DES HOCHALTARES

Die passendste, schönste und zugleich älteste Weise ist, den Hoch-
altar freistehend aufzustellen.

Daß er isoliert errichtet werden mußte, solange sich der Priester bei der Feier
der Messe an seiner Rückseite befand, solange die Subdiakonen bei der feierlichen
Messe nicht hinter den Diakonen, sondern dem Zelebrans gegenüber an der anderen
Langseite des Altares ihren Platz hatten, solange man bei der Inzensierung des Altares
Um denselben herumging1 und die Geistlichkeit in der Apsis ihre Sitze hatte, liegt
auf der Hand. Allein auch als alles das anders geworden war, als der Priester fast
allgemein bei der Messe vor dem Altar und nur noch ausnahmsweise hinter ihm
stand, als der Subdiakon seit etwa der Wende des 1. Jahrtausends während des
Kanons seine Stelle hinter dem Diakon hatte, nicht mehr dem Zelebrans gegenüber.
als die Inzensierung des Altares sich auf die Vorderseite sowie die beiden Schmalseiten
desselben beschränkte, und als die Geistlichkeit statt die Apsis das vor dieser liegende

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finc. De offlc. eccf. M. 147, 35.

, ^gl. z. B. die sog. Missa Illyrica bei Mart I. 1, c. 4, art. 12, ordo 4; II, 184; Joannij \/
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