Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 54.1912

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Christliches Kunstblatt für Kirche, Zchule und Haus
Nr. 2

Könnens, schon die Zeitnähe, Friedrich anders darzustellen, denn als treubesorgten
Landesvater, Antoine pesne's Bild Friedrichs (im Berliner Museum) zeigt hin-
wiederum eine Idealgestalt, die von den Widersprüchen seiner Natur keine
Kunde gibt.
Allein der Mangel einer adäquaten Schilderung der Art und Bedeutung des
gewaltigen Preußenkönigs wurde reichlich aufgehoben durch die kongeniale Dar-
stellung seines Lebens, die wir Adolf Menzel verdanken. Er hat sich in
jahrzehntelanger Arbeit gemüht, das Bild Friedrichs in seiner Ursprünglichkeit
aufleuchten zu lassen, er hat seinen Helden mit keinem romantischen Flimmer-
umgeben, sondern ihn, dessen Grundzug nach Treitschke „die erbarmungslos
grausame deutsche Wahrhaftigkeit" war, echt und nach der Wirklichkeit wieder-
zugeben gesucht.
Die Illustrationen Menzels aber behaupten bis auf den heutigen Tag einen
dermaßen hervorragenden Platz in der Entwicklung der Volkskunst, daß ein
Eingehen auf ihre Entstehung und ihre Vorzüge sich wohl rechtfertigt. In den
dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts war von der „gut fritzischen Ge-
sinnung", dis Goethe einst vorgesunden hatte, nicht mehr viel zu spüren. Um
weitere Kreise wieder für den Heldenkönig zu erwärmen, veranlaßte der Verleger-
Weber in Leipzig Franz Kugler, eine populäre patriotische Geschichte
Friedrichs des Großen zu schreiben. Im Jahre 1839 gewannen die Beiden
den jungen Maler Adolf Menzel für ihr Werk. Lr schien dazu besonders
berufen, hatte er sich doch auf dem Gebiet der Historienmalerei einen Namen
gemacht durch seinen lithographischen Zyklus „Denkwürdigkeiten aus der branden-
burgisch-preußischen Geschichte", vierhundert Bilderbeigaben sollte der Künstler
zu dem Buche Kuglers liefern. Menzel machte sich ans Werk. Bis 1842 lagen
sämtliche Zeichnungen vor; sie wurden von Holzschneidern, die der Künstler bis
ins Einzelnste mit seinen Intentionen vertraut gemacht hatte, geschnitten. Welche
Mühe Menzel es sich aber kosten ließ, um geschichtliche Genauigkeit zu erzielen,
davon legt sein „historischer Nachweis zur Verständigung einiger Illustrationen"
Zeugnis ab. Er sagt:
„Zuvörderst ist ausdrücklich zu bemerken, daß ich in betreff der Person
Friedrichs U. Porträts aus allen Altersstufen vom vierten Jahre an, sowohl
von gleichzeitigen Kupferstichen, als Glgemälden, deren namentlich in den könig-
lichen Schlössern in und um Berlin mehrere vorhanden sind, benutzt habe. Das-
selbe gilt von denen anderer, mehr oder weniger bedeutender Personen, welche
in die Geschichte Friedrichs verflochten sind. Alles, was der äußeren Gestaltung
des Lebens, dem Zeitgeschmäcke und den mannigfachen Wandlungen desselben
in Baulichkeiten, Geräten, Kostümen und allgemeiner Sitte angehört, beruht aus
Studien charakteristischer Vorbilder, wie sich diese teils im Originale selbst, teils
in Abbildungen oder in schriftlicher Überlieferung auf unsere Zeiten erhalten
haben. Die Ansichten wichtiger Lokalitäten, namentlich die der königlichen
Schlösser, sind fast durchgehends nach der Natur ausgenommen. Nicht mindere
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