Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 54.1912

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November 1912

vierundfünfzigster Jahrgang

Nr. 11

Mißliches MnflÄatt

fuErche, schule und-jaus
Herausgegeben von
D.lheol. David lstoch
krscheint monatlich in einem heftzu Z2 bis 48
Zeiten und enthält viele vertillustrationen, 1-2
farbige stunstbeilacien unb bisweilen Noten.
Preis für bas Vierteljahr 2 stiark. 2u beziehen
durch alle Postämter unb Buchhandlungen.

Vrgsn des Sundes der freunde sm Volkskunst.



Vie Bedeutung Goethes für das religiöse und
sittliche Geistesleben unserer Zeit.
von Professor v. Mahling.

Die Jahre der italienischen Reise, oder - man kann auch sagen -

"^Vorbemerkung: In den Tagen vom 23. bis 28. September fand in
I U der großen Rnstalt hephata bei Treysa ein von Pfarrer Schuchard
geleiteter, von vielen Pfarrern, Verwaltungsbeamten, sozial und charita-
tiv arbeitenden Herren und Damen besuchter Instruktionskursus für Innere Mis-
sion statt. Ich hatte zu demselben eine Reihe von Vorlesungen übernommen
über das Thema: ,.Goethes Stellung zur Religion und zum Thristentum, und
unsre Stellung zu Goethe im Geistesleben unsrer Zeit/' Ts lag mir daran, ein
objektives Bild von Goethes religiöser Entwicklung zu geben, dabei die vielen
Vorurteile zu zerstreuen, die falschen Ruffassungen und Beurteilungen seiner Per-
son richtig zu stellen und zu zeigen, wie unendlich viel wir gerade sowohl bei
der Vertretung der christlichen Gedanken, wie bei ihrer Verkündigung von Goethe
lernen können.
das Iahrzehnt 1782- 1792 brachte eine Entfremdung Goethes vom Thristentum,
von dem alten sittlichen Ideal, vom Deutschtum; der „wahrhaft julianische haß
gegen das Thristentum" wird laut am Ende dieses genannten Zeitraumes; er
war durch die Erfahrungen in Italien hervorgerufen, wurde aber bereits 1792
in Pempelfort nach Jakobis Urteil von 1815 überwunden. Das Mort vom
,,dezidierten Uichtchrist" steht am Rnfang dieser Periode; es besagt aber im
Zusammenhang des Briefes vom 29. Juli 1782 an Savater nur etwas durchaus
Relatives: ,,ich bin kein lviderchrist", - d. h. ich bin nicht gegen Thristus,
,,ich bin kein Unchrist", - d. h. ich lebe nicht ohne Thristus, ,,wohl aber ein
dezidierter Nichtchrist" - das kann nur heißen: in dem Sinne kein Ehrist, und
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