Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 54.1912

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FliigWikk der
Volkskunstbundes
Illummers August )M

Anschauungs-Kunst für den religiös-ethischen
Unterricht.
Ulit einer Vilderliste zum Religionsunterricht. Geordnet nach den Gedanken des Katechismus.

I. Geschichtliches.
die Kunst ein wertvolles Anschauungsmaterial für den Religions-Unterricht
I > bietet, diese Tatsache ist weithin anerkannt. Schon Luthers Katechismus
hat Bilder gehabt. 1480 erscheint die erste illustrierte Bibel. Es
ist die niederdeutsche Bibel, gedruckt bei Tsuentel in Köln. Ia, schon die Karo-
lingerzeit bringt in ihren Bibel-RUniaturen das Verlangen nach Bildern zum
Ausdruck. Nicht nur die wichtigsten Szenen der heiligen Geschichte, auch ferner
liegende Themata werden dort illustriert. — Dürers Bilder zur Apokalypse
(1496 - 98) und seine viermalige Darstellung der „Passion Christi" (1505- 1511)
sind bekannt, auch sein Volksbuch vom „Marienleben" (1510). Dürers Wirkung
auf den Holzschnitt seiner Zeit ist bedeutend. Es seien nur genannt Hans
Schäufelins Passions-Darstellungen zu Pinders „speculum pussionis"; Hans Sebald
Behams feine, kleine Bibelholzschnitte (1533),- die phantastischen, markanten
Bilder von Hans Baldung Grien zu den zehn Geboten (1516). Nächst Dürer
der größte Holzschnittmeister ist Hans Holbein der Jüngere. Er illustrierte
1523-31 das neue Testament, nicht unberührt von italienischen Vorbildern. Im
Gegensatz zu Dürer arbeitet er sich zu größerer Einfachheit durch. Das seelisch
Tiefste, was die alte Holzschnitzkunst schuf, sind seine Totentanzbilder (1538), in
denen er das Thema vom Tode, der allen Reichtum und alle Buntheit des Lebens
gleich macht, voll Geist behandelt.

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