Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 54.1912

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Nr. 6

Juni 1912

vlerundfünfzigster Jahrgang

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Vrgsn des Sundes der freunde siir Volkskunst.

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lherausgegeben von
D. theol. David Koch
erscheint monatlich in einem heft zu Z2 bis 4S
Seiten und enthält viele Lextillustrationen, 1-2
farbige Kunstbeilagen und bisweilen Noten.
Preis für das Vierteljahr 2 stlark. 2u beziehen
durch alle Postämter und Buchhandlungen.


Segen und Gefahr der Kunst.
von v. Wilhelm Steinhaufen.*
von Kunst redet, von dem erwarten wir, daß er uns eine Tür auf-
! / stoße und uns einen Garten voll Blumen zeige oder in ein Gefilde
führe, darin eitel Lust und Frieden herrscht. Wir verbinden so gern
mit der Kunst Vorstellungen der reinsten Freude. Ts ist, als müßten uns Fesseln
abgenommen werden, als ginge die Sonne auf, und in ihren Strahlen verlöschte
der Unterschied von Gut und Böse; wir brauchten die Schatten nicht zu sehen,
die Zünde und Schuld und der Tod ausbreiten und womit wir geängstigt wer-
den. Da ist auch das Land der Freiheit. Die Gesetze werden nicht zu Fesseln,
sie dienen allein der Schönheit.
Bus all diesen Vorstellungen heraus haben Denker und Dichter die Kunst
hoch gepriesen. Ja, viele lassen sie als das Begehrenswerteste des Lebens er-
scheinen. Schillers Idealismus ist davon durchdrungen. Wir denken an Griechen-
land mit seinen Götterbildern, an die Museen, die die Marmorstatuen bergen, an
Italien, an Paris und immer weiter an die Herrlichkeiten der Welt.
*) v. Wilhelm Steinhausen hat über dieses Thema am 16. November IdN zum Vesten
des evangelischen Nrbeiterinnenvereins im Vereinshaus Westend zu Frankfurt a. M. einen
Vortrag gehalten, der allgemeines Interesse beanspruchen kann. Neben allerlei Sorgen und
Bedenken, die gerade am schaffenden Künstler sehr begreiflich sind, ist soviel Optimismus
und Glauben an den Lebenswert der Kunst in dem Vortrag aufgespeichert, daß wir mit
Erlaubnis des Verfassers gerne einige Teile des Vortrags unsren Lesern bekannt geben
mit der Bitte, den ganzen Vortrag, der in der Nnstalt Bethel-Bielefeld erschienen ist, zu
lesen und zu kaufen, da zugleich einem Zweck der Menschenliebe damit gedient ist.
wir hätten den ganzen Vortrag gerne unsren Bundesfreunden als Flugschrift 6 und
zugleich als pfingstgruß gesandt, der Künstler aber hatte schon anders disponiert gehabt.
K.
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