Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 54.1912

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Juli 1912

vierundfünfzigster Jahrgang

Nr. 7


füMche, schule unb Haus
Sjerausgegeben von
D.theol. David Koch
Erscheint monatlich in einem Heft zu 52 bis 48
Zeiten und enthält viele ^eMlustrationen, 1-2
farbige Kunstbeilagen und bisweilen Noten.
Preis für das Vierteljahr 2 Mark. Lu beziehen
durch alle Postämter und vuchhanülungen. -kL

Agsn des Sundes der freunde für Volkskunst.



Die Entwicklung des mittelalterlichen Kirchenbaus
in Niedersachsen.
Ein Überblick von Or.-lng. U. Hölscher-Hannover. — Mit 8 Abbildungen.
n dem kaum von Karl dem Großen unterworfenen Sachsenlande waren eine
Reihe von Bischofssitzen gegründet worden, von denen aus christlicher Glaube
das Neuland durchdringen sollte: Bremen, Hamburg, Verden, Halberstadt
und Hildesheim, nach Westen zu Osnabrück und Blinden, ferner in Westfalen
Paderborn und Münster. Hand in Hand mit dem Christentum drang in das
Herz des Sachsenlandes Schritt vor Schritt die Kultur ein, wie sie aus den
Trümmern der Antike durch die Franken zu neuem Leben entflammt war. von
den ältesten Kathedralkirchen, die damals entstanden, ist keine einzige auf uns
gekommen. Zum Teil sind es sicher primitive Holzbauten gewesen (Dom zu
Bremen und Verden), in der Konstruktion und Ausbildung der alteinheimischen
Holzbauweise entsprechend. Der monumentalere Steinbau wurde erst nach und
nach durch fremde Handwerker eingeführt.
Mit Heinrich l- beginnt die Kultur in den sächsischen Stammlanden schnellere
Fortschritte zu machen. Line Reihe von hochbedeutenden Bischöfen und kriegs-
gewaltigen Markgrafen und vor allem das Herrscherhaus selber macht Sachsen
zum führenden Stamme in Deutschland, nicht nur politisch, sondern auch kulturell.
Städte werden gegründet, Pfalzen und Burgen, Stifter und Klöster überziehen das
Land. Unter den Gttonen ist das goldene Zeitalter für Sachsen angebrochen.
von den gewaltigen Kirchbauten des zehnten Jahrhunderts in Niedersachsen ist
nur ein kleiner Rest erhalten, aber genug, um daraus zu ersehen, wie man hier
dem antiken Erbe mit freiem Blick gegenüberstand. Nicht als ob die weit gereisten
und gebildeten Bauherren und ihre Architekten nichts von der Antike gewußt
hätten, aber es fehlten hier die direkten Vorbilder an Grt und Stelle. So nahmen
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