Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1891

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Ehrerbietung, und inubrünstiger Andacht gehalten, und zwar
um so billicher, als sie mit uns davon grosen Leibs- und
Seelen-Trost, gleich einem uuerschöpfflichen Brunn-Quell gantze
Strömm verschidener Gnaden und Gutthateu alltäglich empfan-
gen. Weßwegen daun unser Weingarten sich glückseelig schätzet,
und mehr als andere Ort dir verpflichtet zuseyn erachtet, all-
dieweilen du selbes mit einem so theüreu Kleinod, nemlich mit
deinem heiligsten Hertz- und Seiten-Blut begnadet hast.

Es soll dein getreuer Diener der H. Ignatius von Lojola
einstens gesagt haben, daß ihn auf diser Welt nichts betrüben
kunte, als wann sein eingesetzter Orden der Gesellschaft JEsn
außgetilget wurde; wann aber (sagte er ferners) solches Un-
heil auß Göttlicher Verhängnuß über ihn, und seine H. Ge-
sellschaft kommen solte, so wolte er auch gantz gern mit deinem
Willen zu friden seyn, wann ihme nur vorhero ein viertel
Stündlein mit dir zu reden erlaubet wäre.

Eben also, wann unser liebes Vatterland durch allerhand
leydige Zufäll verunglücket, und gäntzlich verherget, auch unser
gautzes Gotthauß in einen lauteren Stein- und Aschen-Hauffen
verwandlet werden solte, wolten wir alle sambt und sonders
mit dir gütigister Heyland nichts anderes reden, als was du
einstens zu deinem himmlischen Vatter ans dem Angst- vollen
Oelberg geredt, und gebettet hast, nemlich HERR! diser bittere
Kelch, dise schwere Trübsaal, dises grosse Unheyl gehe von
uns hinweck; doch aber nit unser Will, sondern dein aller-
heiligister Will geschehe: Transeat a me Calix iste; verurn-
tarnen non 8icut ego volo, sed sicut tu. Math. 26. v. jp.

Wann aber deiner Göttlichen Allmacht gefallen solte, uns
in Ansehen unseres sündhafften Lebens den allerwehrtisten H.
Blut-Schatz 311 entziehen, und andurch vollkommen trost-looS
zumachen, O da wolten wir nit nur ein viertel Stund, son-
dern gantze Stunden, und Tag vorhero mit dir reden, und
ehender nit Nachlassen mit häuffigen Bnß-Thränen, und eyffri-
gisten Gebett zu reden, biß du unser sambtliche Bitt erhörtest:
Non dimittam te, nisi benedixeris mihi. Gen. 32. v. 26.
Was wolten wir dann reden? das wolten wir reden: Loquar
ad Dominum meum, cum sim pulvis & cinis. Gen. 18.
v. 2j. Sihe liebster JEsn! willst du unseren, oder vilmehr
deinen kleinen gold- und silbernen Kirchen-Schatz von uns
entführet: die zu Ehren deines heiligisten Bluts mit grossen
Unkosten neü - aufgebaute Kirchen nnder die Aschen vergraben;
das gantze Closter durch Räuberische Händ von allen Lebens-
Mittlen entblösset haben: ey so geschehe dein heiligister Willen,
und gereiche dir alles zu einem beliebigen Brandopfer, wann
du es doch also haben wilst. Nur alleinig überlasse uns dein
allerheiligistes Hertz- und Seiteu-Blut, auf das wir au- und
bey demselben in allen unseren Anligenheiten und Trangsaalen
einen sicheren Trost suchen und finden mögen.

Domine DEUS! audi Clamorem hujus Populi: O
grund-gütiger Welt-Heyland! erhöre dein Volck: Respice de
Ccelo, & vide, & visita Vineam istam. Ps. yp. v. 13.
Schaue von Himmel, sihe, und besuche dises dein Weingarten:
Pertree eam, quam plantavit dextera tua. v. 16. Mache
selbes im Clösterlichen Berufs und Beuedietinischen Ordens-
Gaist vollkommen, weilen es von deiner Hand gepflautzet, und
mit deinem heiligisten Seiten-Blut befeüchtet, und beglückseliget
worden.

T^peri eis thesaururn tuurn lontern aquse vivre:
HERR! eröffne deinen dir vollkommen ergebnist- und ver-
pflichtisteu Dieneren deine unerfchöpstliche Gnaden - Schätz;
mache, und verschaffe, daß dein mehr gedachtes allerheiligiste
Hertz- und Seiteu-Blut seine häusfige Gnaden-Flüß reichlich
über lins ergüsse. Sanguis esu8 super nos. Math. 2j.

Dein heiligistes Seiten-Blut O JESU seye allzeit über
zum geistlich- und zeitliche,: Wohlstand unsers Gotteshaus
es seye über ein werthiste Nachbarschafft, über unser Bat ^
land, ja über ein gantze allenthalben hart getruckte, und r
betrangte Christeubeit, um alles Übel und Unglück abzuweB^
herentgegen alles Heyl, Glück, und Segen zu erwerben. ^
guis ejus super nos: dein heiligistes Blut seye über a
die durch vilsältiges Wahlfarteu selbes allhier eyfsrigst l t
ehren, oder sonsten in Abwesenheit zu solchem ein innbrün! ^
Llndacht tragen, auf das sie das jeuige, was sie begehre»/ ^
deiner grösseren Ehr, und ihren Seelen-Heyl erhalten nffg
Sanguis ejus super nos: endlich O JESU, O 8
JESU! dein allerheiligistes Hertz- und Seiten-Blut seye
uns alle, alle, niemand außgenommen, es seye über uns, ,
verbleibe allzeit bey uns zu wahrer Buß, zur Gnad, zur''
zeyhuug, zum Leben, zur Freüd, und ewigen Seligkeit, U»
Weingarten den 12. Mertz

Anno 1734. .

Also wünschen in allertüffister Demuth au dein
feürlichen Fest der Erfindung deines allerheilGO
Hertz- und Seiten-Bluts Christe JEsn die
dem Schutz höchst-desselben deines heiligisten
zusammen verschwohrne geringste und unwürdr
Verehrer und Diener

TVlphonsus Abbas, »II
Convent allda.

V 0 rred

Au den Christlichen Leser.


DEr gelüstige Hirsch sucht sich selbsteu mit den ^
gen zu speisen, in Meyuung von solcher Speiß die: ^ ^
Belustigung zu haben, und sich zu ersättigeu; es geschickt1 ^
daß er durch das Schlaugen-Gifft ihme selbste,: Schad^G^.
füget; davon er schmertzlich gebrennet und gepeyniget ^
Von sothanen Schmertzeu und Quaal sich zu erledig^^
Hitz zu löschen, daß Gisst außzutreiben, setzet er über'
und Thal, durch Wälder und Felder, biß er zu einer
Brunn-Quell kommet; da haltet er still, da trincket el'jt $
waschet sich, wodurch er sein vorige Gesundheit wider»^^e»
langet. Dahero einem solchen mit umwundener Sck^,i
entworffenen, und bei einer Wasser-Quell stehenden H ^
das Sinn-Bild folgende Zuschrisft beysetzet:

Eontern anthelat:

Der Hirsch gantz schnell,

Sucht Wasser-Quell.

Q gelüstige Hirschen! Q unbehutsamme Adanw^^
die wir in unserem ersten allgemeinen Stammen-Ba
zwar ein Schlangen, doch auß verdammlicher EinratA
höllischen Schlangen einen verbotteuen, und eben daN ^
gissten Apffel verkostet, mithin uns selbsten durch da^
schädliche Sündeu-Gifst unzahlbar vil grosse Leibs- »n
Uebel zugezogen haben. '>>

Das heiligste Hertz- und Seiten-Blut Christi J^glcl
wahrhafftig ein wuuderthätiger Gnadenbruuuen,

wir wider alle von

herflüsseude Müheseligkeiten erwünschte Hilsfs-Mitte^
und finden können, wann wir mit festen Vertrauen, 111
ger Andacht uns zu demselben verfügen. , bflg Ln

Ich lasse dem Bronnen zu Narni in Uuibria ,
daß er das heilsamste Wasser auß der Erden 9er )l)ltntA
dises aber geschicht nur zu gewissen Zeiten 1T|1 el
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