Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1891

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dir Jesuiten in

^ ^ (1648

kottrnburg a. N.
1773.)

^ Fr. Müller, Präzeptoratskaplan in Scheer OA. Saulgau.
V o r w o r t.

umfassende Thätigkeit die Jesuiten in der Seel-
ch in der Schule entfaltet haben, hat Dr. R. Pein-
^ir t'0s°Uliger Zeit an den Jesuiten zu Graz gezeigt?)

'H,ure?f *••• ryüvM'. —^ I u-r —

geß, i, " ^lchnen, welche von den Vätern der Gesellschaft
^uer kleineren Stadt 125 Jahre lang entfaltet wurde,
dielaps^Zahlreichen lateinischen Citate geben uns Proben des
Jesuiten-Lateins. Wir finden das Latein

Nottenburger Jesuiten gut.

nelle unserer Darstellung ist die »Historia
^48-^11 ttenburgensis S. J. ad Niccarum
Mbliötr !766S welche sich in der Tübinger Universitäts-
^ger <> ?^indet?) Wir haben hier die von den Rotten-
^vnik^^"iten selbst geführten »Dikterue annuae« (Hans

'ferf.- J Vor 1111(3 chlio CSaiiSI rfwirf NGlol iiuvfi ptiini

nerst einen

bor ung* Die Handschrift bietet znmp ciucu
kfi l>er Punkte, auf welche der mit der Abfassung

filier unnuae« beauftragte ?. Historicus Bedacht

H^ußte. Sie enthalt 57 verschiedene Schriftzüge; es
^ der successive 57 verschiedene »?atres Iristorici«

!n^!elt? <^nik geschrieben. Das Amt eines »llistoricus«
^4'v durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre. Die
Seht mreicht bis p. 388, stockt von p. 388—434 und
e SUiu ^ ?0>l p. 434—441; dann fehlt sie noch vollends
>'"d n^ Schluß (p. 574); nur die Zahlen 400, 500, 574
S»iv 'Mragen.

l) .JUleren noch außerdem öfters:

... L., Chronik der Stadt Nottenbnrg-

%

DU er Dr.

f 2)* ^00—1819. Nottenburg 1819.
\ 1828 3Alllu^nÖev/ Beschreibung des £

D-l

182s 3)"1 m 111 Scr' ^kschreibuug des Oberamts Notten-

Ges^- . I. Abschnitt.

Uchte der Niederlassung (1648—1773).

e m § 1-

11utf)c zur Einführung der Jesuiten
(1623 und 1628).

w^cherr^"^^ gehörte seit dem Ende des 14. Jahrhunderts
O JahrbÄ' Die Grafschaft Hohenberg, welche seit dem
ntb0Vf ""rt die Städte: Nottenburg, Horb, Schramberg,
errett Nagold umfaßte, wurde im Jahr 1381 an
^^N'eich 66000 st. verkauft. Das Land wurde unter
^urch einen Landeshauptmann verwaltet. Im


S.

, Bl. 1883. Heit Y p. 354-369.

i ®) ®ütttcrab. Handschriften. M. ü. 67 * r.crcit§ über

\M?das Manuskript vorliegeiwer Abhandlung b
gestellt war, hatte Herr Dekan MaxUi t vx
welcher früher viele ^abre wim ws

V

iäf

er

, weicher früher viele Jahre lang aw V

wit Bienenfleiß über die ehemaligen ^ i Achtenswerte

Ewiglich gewordenem Mtenmatenal zah ) , Nottenburger
MnSwmclthat, die Güte, dem Berfaper fem eW> ^

^üS?eavUm betreffenden Aufzeichnungen Lu uber a cn

"hrende Dank hiemit auch öffentlich ausgesprochen werben w

Rotten-
Rottenbnrgs
schätzenswerte

Jahr 1789 zählten beide Grafschaften, Ober- und Nieder-
hohenberg, zusammen 40 382 Einwohner?)

Erzherzog Leopold machte im Jahre 1623 den ersten
Versuch, Jesuiten in Nottenburg einzuführen. Dieselben
sollten gegen das Vordringen des Protestantismus von
Tübingen her einen Schntzdamm bilden. Er schickte den da-
maligen Provinzial 3. J., P. Christoph GrenzingZ) nach
Nottenburg und gab ihm ein Empfehlungsschreiben mit.
P. Grenzing bot alle Beredsamkeit aus?) „Aber er fand die
Nottenbilrger härter als Kieselstein." Die Bürger zeigten
einen unüberwindlichen Widerwillen gegen das Projekt, sei es
daß sie eine persönliche Abneigung gegen den Erzherzog
hatten, oder daß sie keine Jesuiten haben wollten. Die Mög-
lichkeit, in Nottenburg je einmal festen Fuß zu fassen, schien
in unabsehbare Fernen gerückt?)

Fünf Jahre später (1628) machte Leopold einen zweiten
Versuch, aber mit demselben Mißerfolg. In dem Schreiben,
welches der Magistrat dem Erzherzog als Antwort zngehen
ließ, hieß es u. a.: „Sie (die Nottenburger) seien genügend
pastoriert. Sie hätten einen musterhaften Pfarrklerüs und
Ordensleute, welche bei Tag und Nacht für das Heil der
Seelen besorgt seien. Die Stadt sei nicht so reich und nicht
so groß, daß sie den Jesuiten ein entsprechendes Kolleg bauen
oder überzählige Ordenslente sustentieren könnte. An ihre
PP. Kapuziner und Karmeliten seien sie jetzt schon gewöhnt,
und sie seien mit diesen vollständig zufrieden. Diese seien mit
aller Sorgfalt darauf bedacht, daß die nahen Wölfe nicht in
den Schafstall einbrechen. Der Erzherzog möge es ihnen
nicht übel nehmen u. s. w."^)

0 Häßler S. 20 f.

2) Provinzial vom 9. Mai 1618 bis ins Jahr 1624 (4 15. April
1639) s. Mil litten, Helvetia sacra fol. II p. 41 f. (Catalogus der
Provinziale.)

8) »Haeresis circumquaque virus suura disseminat, Tubinga
vetustissima primariäque Lutheri sede uberein semper materiam
subministrante. Qua re accolae de fide periclitari possunt. Quod
malum ac pervertendae gentis periculum cum altius penetrasset,
Serenissimus Leopoldus Archidux nullum non lapidem movit, ut
cum pro suo tum totius Domus Austriacae zelo suos in avitä catho-
licorum fide stabiliret. Statuit anno 1623 selectissimorum militum
in palaestra fidei Catholicae perquam exercitatum manipulum ex
Societate conscriptum velut praesidium Rottenburgi impositum vici-
nis hostibus objicere. Prius tarnen, quam hoc praestaret, quis ani-
mus suis Rottenburgensibus esset, explorare voluit. Quare R. P.
Christophorum Grenzing et Superioris Germaniae tum Praepositum
Provincialem, humanissimis litteris instructum, ad Civitatis Proreres
et Magistratum ablegat. P. Grenzing ea, qua pollebat, facundiä
meutern Serenissimi proposuit.«

4) »Sed duriores silice Rottenburgenses reperit, nescio quibus
falsis malevolorum persuasionibus jam prius occupatos vel de
Principe vel de Societate. Quare P. Grenzing re infecta coactus
est redire , vix ullä apparente spe Societatis amplius in urbem ad-
mittendae.«

’) »Hdc repulsä nihil perterritus Archidux post quinquennium
alterum arietem admovere et secundo quatere civitatem constituit.
Cancellarium Aulae suae supremum (cui Lindnero cognomen erat)
virum prae ceteris rerum ejusmodi tractandarum peritum, misit.
Sed et hic actum egit. Litteras tarnen ad Serenissimum deferendas
obtinuit: sibi sufficienter partim exemplari Clero, partim aliis Reli-
giosis hominibus, qui diu noctuque nullam praetermitterent occasio-
nem animas in rebus divinis juvandi, provisum esse; Civitatem non
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