Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1891

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von Schwaben.

1891

ttr.

erläge mm

18.

Die Jzfnxim in Rotlrnburg a. N.

(1648—1773.)

Fr. Müller, Präzeptoratskaplan in Scheer, OA. Saulgau.

(Fortsetzung.)

Jahre 1664 bekamen die Jesuiten auch wieder eine
Achtende Erbschaft. Mehr als 13 000 fl. hinterließ ihnen
ttjeJu Neuburg (Bayern) verstorbene Melchior Schorrer, ^8)
^c>tt ^54 !chon im Jahr 1658 zu Universalerben eingesetzt
l,y/-/) Häßler (p. 174) weiß aus diesem Jahr (1664)
folgendes zu berichten: „1664 wurden die Jesuiten

ocht, das erstemal die Casus conscientiae zum
Wl der

hiesigen Bnrgerssöhne, die sich dem geistlichen

widmen wollten,5"5) vermutlich als die ganze Mitgift
5u lehren. Hier macht der alte Chronikschreiber,
nie q ^.opst Weitenauer sel., die passelide Bemerkung: Der
histo^E^nwt, kommt nie ein. Sapienti sat." (In unserer
bie Jlci llnden wir aber gar keine diesbezügliche Notiz. Ob
Zugabe Häßlers überhaupt richtig ist?)

^vbevv-1 1665 bekamen die Jesuiten 14 000 sl. von der
lec>i„..^^rreichischen Regierung zur Errichtung eines Kol-

D


vtt-> v S^)1' darauf (1666) kauften sie die Güter
, . "'nha "

Aerung.

Sieciip.! ^auien und Roßwangen um 20 000 fl. von derselben

Das Kollegium (1668—1773).

^'Wp~^ev lx’ar die Niederlassung nur eine »14esidentia«
legjü 1’• Am 24. Juni 1668 wurde sie 31t einem »Col-
iibev ^ erhoben. Auffallenderweise berichtet unsere Historia
ftit tc|e^/ nach unsern Begriffen hochwichtige Ereignis nur
wenigen Worten.56) Häßler bringt darüber lwch
E^egii/ weitere Angaben: „1668 wurde das hiesige Jesniten-
a!U/ bisher nur eine Residenz war, als solches von
konfirmiert. Zu diesem Ende mußte der hoch-
Christoph Schorrer, von Rottenburg gebürtig,
^ NAtor Eoliegii 3. ). in München Hieherreisen, und
A f ehrwürdigen ?. Reinhardnm Gabelium ... als
^r hiesigen Kollegiums iustitnieren und investieren."
O ^-17 8.)

^hre 1675 bekamen die Jesuiten das Schloß
Avßx "^'s wurde nämlich vom Kaiser Leopold I. eine
^'ger cvll-m,ne Cieldes zum Krieg ausgenommen. Die Rotteu-
^^AyÄ^H'Een streckten 12 000 fl. vor und erhielten dafür
// . das Dorf (?) Bühl, das nicht mehr ansgelöst
IW Häßler 9. 178. — „Gut und Schloß
"ise übp.s Eu an die Jesuiten zuerst Pfand-, dann lehenö-
^assen," schreibt Memminger p. 160. — Interessant

*praenobilis ac strenuus Dns , R. P. Christophori nri co-
r 05-1 *ire<leciin millia fl. superabit, si omnia computantur.«

> kun^'o amit eine arme Burgerssöhn bei) ihrer Eltern muß und
At tz,-. ^ tmlglich werdten die Geistliche weyhuug zu empfangen ,
flauer (in den Aufzeichnungen des Herrn Dekans Klaiber).
ftZa Junlj a R. p. Christophoro Schorrer hic negotiorum

commorante promulgatus est primus Rector 1 .
ls Kabelius.« — Hist. p. 159.

ist zu erfahren, daß die Jesuiten in ihrem neuen Besitztum
sofort eine Bierbrau erei einrichteten: »Lrecta est cere-
visiae coquendae officina, ad quod faciendum plura
tum religiosorum Monasteria tum saecularium industria
per totam hanc ditionem et doeuit coegitque necessitas«.
Die eigentliche („solenne") Einführung in den Besitz des Schlosses
Bühl erfolgte aber erst nach drei Jahren. 57)

Ums Jahr 1680 erhielten sie von dem Pfarrer Michael
Rebholz in Scherziugeu 200 fl. für ihre Kirehe. 58)

Im Jahre 1686 sollten die Rotteuburger Jesuiten auf
Befehl des Papstes 9000 sl. Kontribution zum Türkeukrieg
zahlen. 59) Auf ihre Bitten und Vorstellungen wurden ihnen
aber zuerst 4000 fl. und dann noch einmal 2000 fl. nach-
gelassen, so daß sie nur 3000 fl. zahlen durften. Gleich
darauf folgte noch eine zweite päpstliche Steuer.8»)

Im Jahr 1693 kamen die Franzosen ganz in die Nähe
von Rottenburg. Doch erlitt das Kollegium keine Schädi-
gung. „Den 16. August 1693 brachte ein Postillon einen
Brief des französischen Generals Lagrange, des Inhalts, daß
sich das Oberhaupt zu Rottenburg unverzüglich zu Stuttgart
bei ihm eiufinden sollte, die königlichen ordres daselbst zu
vernehmen. Um der hitzigen französischen Exekution auszu-
weichen, wurde Herr Christ. Haßlach, Hofschreiber, im Namen
der Herrschaft, und mit ihm Herr Michael Ehrenreich, hiesiger
Stadtschreiber, samt 14. P. Brennißholz S. J.61) abgeschickt.
Sie sind aber gleich unter Tübingen von einer französischen Partei
angehalten, entwaffnet und nach dem Lager geführt worden.
Jene zween aber wurden nach Straßburg in die Gefangen-
schaft geführt, da so lange zu verbleiben, bis man für sie
werde 30 000 fl. Ranzion bezahlt haben."62)

Im Frühjahr 1707 brach wieder unversehens ein fran-

57) »Hoc anno y. Januarij die Stili Novi solennis facta est in
arcem Bililensem eiusque omnia Jura ac Bona immissio, quam arcem
jam a tribus annis possedimus bonisque fruiti sumus per traditio-
nem sine sollemnitate factam.« (Historia ad annum 1678.)

6S) Dieser gleiche ic. Rebholz that später sehr viel für die Jesniten-
Niederlassnng in Nottweil, welcher er auch sein ganzes Vermögen
(12 000 fl.) vermachte. Mit diesem Gelde wurde es im Jahre 1731
(21. Okt.) ermöglicht, die „Residenz" Nottweil zu einem »Collegium«
zu erheben.

B9) »Missum est Decretum Serenissimi Dni nri Innocentij XI
Omnibus Regularibus utriusque sexus, ut ex bonis in terris Austriacis
exsistentibus pro subsidio adversus Turcam contribuerent' tertiam
partem omnium, quae primaevae fundationi a sexaginta annis ac-
cesserint; quare nobis ab Eminentissima Commissione Viennensi
indicta sunt novem milia florenorum.«

°°) »Postquam satisfecimus Bullae Pontificiae tribus milibus
florenorum, alia contributio papalis indicta est, qua jussi sunt Clerici
et Reguläres ex reditibus annuis, quos percipiunt ex bonis in terris
Austriacis exsistentibus, pendere duos florenos ex centesimo salso
2°/o], sieque denuo Collegium numeravit florenos quadraginta et
unum iuxta specificationem a nobis Constantiam ad ordinarium
missam.«

01) Darauf beziehen sich die Worte unserer Historia: -Collegium

trepidis incolis adfuit, consilio et ope tune potissimum, quando
citatis ad Gallica castra primoribus contributioni sunt subjecti . . .
Petentibus Pater adjunctus est, futurus interpres, forte etiam Pa-
tronus, si patrocinio locus esset apud hostem.«

62) Häßler p. 181.
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