Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1891

Page: 25
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab_beil1891/0025
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

jum

von Schwaben.

m•

Dr. Geiger in Tübingen und die gute Betha tu Reute.

„Evangelischer" Nitt und Ausflug in das „katholische" Ob.erschWaben.

Zum Nachdenken vornrteilsloser Protestanten nnd zur Alstklärnng zweifelsüchtiger Katholiken
geschildert von einem, der auch einmal zehn Jahre lang an einem evangelischen Wagen ziehen mußte.

(Fortsetzung und Schluß.)

büch ^^'?ara Kesenheimer, des Peter Pfeiffer in Baien
sch,

^Mlich

ovvj tuytiuiv i f vuv -jjciti ^|U||ci m Ajuiui'

Eheliche Hausfrau, hatte seit Jahren gegen einen
' le«eu Fluß im linken Kilie verschiedene Hausmittel

aut -~v angewendet. Im Vertrauen ans die Hilfe der
iblbst schickte sie ihren Bruder nach Rente, da sie

m 1 ^ie Wallfahrt nicht machen konnte, mit dem er-
iiah'i -r1 ^E'solg, daß in kurzer Zeit ohne den Gebrauch
c>l)^??^Er Mittel eine merkliche Besserung, nach lind nach
^tc gänzliche Befreiung von besagtem Flusse erfolgte,
seit Zgdcilena Reich von Blönried wird bezeugt, daß sie
ledln ', ^e^frist so blind gewesen sei, daß sie eines Führers
sie sj^ ' U1'k baß sie das Gesicht wieder erhalten habe, als
ö»J5 3llm Grabe der guten Betha begeben unb ihre Hilfe
l)atte. Magdalena Laudert von Möllenbronn, seit
in der linken unb seit 20 Jahren in der rechten
von Gicht geplagt, so daß sie für die häuslichen
>lach yE- unbrauchbar war, wurde von ihren Leiden
best^."EUualigem Besuch des Grabes der guten Betha gänzlich
’ lÄeorg Hag von Neichenbach erhielt Sprache und
wieder' ev ^ ^ben Jahren verloren hatte, vollständig
Men w n^^bem er dreimal die Wallfahrt zum Grabe der
stemacht und sich mit Wasser am Brunnen be-

^ le. Martin Morach, der die Wunder, die am
blind "r guten Betha geschahen, bestritten hatte nnd daraus
znr ^worden war, erhielt, nachdem er feinen Fehler bereut,
ihre,st Betha seine Zuflucht genommen, eine Wallfahrt zu

hatte gemacht und vom Wasser des Brunnens getrunken
der Jjlu, Besicht wieder. Christian Dich von Göggingen,
fuhe 7 .Zuen Splitter, der ihm beim Holzspalten ins Auge

^eU„n etll^llQtg wurde, erhielt die Gesundheit, d. i. die Her-
"8 des

llir

r oes verletzten Auges wieder, nachdem er eine Wallfahr
itijjn eu Betha gemacht nnd das Auge mit Wasser vom
>delchp gewaschen hatte. Anna Maria Mang von Göggingen,
l'lict eJUllf -Fahre lang vom fallenden Weh, das sie vom An-
Wte, m!t dieser Krankheit behafteten Menschen erhalten
heit häufig nnd hart geplagt war, erlangte die Gesnnd-
Svcuh als sie sich zum Grabe der guten Betha begab.
Eovst^st^ohannes voil Praßberg, der nachmalige Bischof von
HP hatte sich, 13 Jahre alt, als Student in Dillingen

Et'ei Badel in die flache Hand so gestochen, daß sogleich

lld wr.nCl lünunnl wurden. der Arm furchtbar anfschwol

Und

Und

Kln

j'lbst de«
^Ullnd

wurden, der Arm furchtbar aufschwoll
Gehirn Gefahr drohte. Obwohl alle ärztliche
ärztliche Hilfe angewendet wurde, trat keine Besse-

Das ist urkundlich durch ärztliches Zeugnis be-

y. ’3 eilt f '■ *'<*'*♦ lw "“«'-•vv.ivvt .vnvvv, um

hch j-jj . ' w daß schließlich eine Amputation des Armes rät-
nätigtst ^Zs ist urkundlich durch ärztliches Zeugnis be-

^uben ^ZEv großen Not wandteil sich die Eltern des

'Uit dx„^Hilfe an die gute Betha. Die Mutter machte
ninfen Sohn und mit ihren beiden Töchtern Anna

nnd Barbara eine Wallfahrt zum Grabe der Seligen. Dort
legte sich der Knabe etwa fünf Vaterunser lang unter den
Grabstein und verspürte, als er anfstand, schon eine Bewegung
der steifen Finger. Hierauf ging er zum Brunnen und wusch
sich mit dem Wasser die Finger. Jetzt wurden dieselben
plötzlich gerade nnd er konnte sie wie zuvor frei bewegen;
auch war aller Schmerz in der Hand, im Arme und im Kopfe
beseitigt. Der Stlldent hatte mit seiner Mutter, der Frei-
frau Maria Salome von Praßberg itnb seinen zwei Schwestern
den sechs Stundeil weiten Weg von Praßberg nach Relite
zll Fuß gemacht. Wiederum ein Beiveis, Herr Geiger! daß
auch gebildete, liicht vom Nationalismus angefressene Leute
die glite Betha verehrten und zll ihr ihre Zuflucht nahmen.
Elisabeth Brnckmann von Angsbllrg, voil einer sehr großen
Geschwlltst am Knie geplagt, die sich immer inehr allsbreitete,
gebrauchte Wasser vom gllten Betha-Brnnnen und fühlte sich
iil der Nacht, in der die Aerzte glaubten, daß sie sterbe,
besser, erhielt darauf, als sie eine Wallfahrt zrun Grabe der
Seligen gemacht, ihre völlige Genesung. Felicitas Hellmaier,
Ehefrau des Magnus Hellmaier, Konslil nnb Senator in
Füssen, hatte Sprache nnb Kräfte verloren. Seit tanger Zeit
bettlägerig, war sie ein Gegenstaild des Mitleidens seitens
der Aerzte. Zum Grabe der guten Betha gebracht, trank sie
Wasser vom Brullnen und wllrde ganz gesund. Johannes
Städtelin von Uebendorf, Pfarrei Arnach, seit mehrereil
Jahreil mit verschiedenen Wunden unb Geschwülsten am
ganzen Körper geplagt, bereu Heilung nach dem Urteile der
Aerzte sehr schwer war und fast ilnmöglich erschien, erhielt
die Gesundheit, ilachdem er sich wiederholt mit Wasser vorn
Brunnen der gllten Betha gewaschen hatte. Der letzte Insasse
des Geigerschen Wnnderwagells soll ein Kapuziner sein, der
P. Kolumban Brecht, der von einem Bruch, an dem er seit
zwei Jahren heftig gelitten, geheilt wurde, nachdem er eine
Wallfahrt zum Grabe der Seligen gemacht hatte.

Der Geigersche Wunderwagen mit seineil Insassen hat
lllls zu einem Punkte geführt, wo die hysterischen Symptome
liicht mehr arnvendbar sind nnb Krankheitssormen der Hysterie
nicht nachgewiesen werden können ohne Preisgebung alles
Verstandes unb Witzes. Wir stehen hier vor Thatsachen, die
selbst voil- Aerzten als über die Naturgesetze hinausgeheud
anerkannt und als Grenze ihrer Macht bezeugt' werdeil mußten.
Wie verhält sich aber Geiger diesen Thatsachen gegenüber.
Sein Standpunkt ist der gleiche wie bei der Beurteilung der
charismatischen Erscheinungen im Lebeil der guten Betha, wie
bei der Auffassnilg der dämonischen Jnfestation derselben.
Bei ersteren leugnet er die Giladeilmacht Gottes nnd erklärt
sie als Hysterie. Bei letzterer nimmt er schüchterne hysterische
Einbildung an, ohile sich auf den Tenfelsglaubeu weiter ein-
loading ...