Eggers, Friedrich [Hrsg.]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 2.1851

Seite: 65
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Zeitung

für bildende Kunst und Baukunst.

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Organ

der deutschen Kunstvereine.

Unter Mitwirkung von

Kugler in Berlin — Passavant in Frankfurt — Waagen in Berlin — Wiegmann in Düsseldorf — Schnaase
in Berlin — Schulz in Dresden — Förster in München — Eitelberger V. Edelberg in Wien

redigirt von Dr. F. Eggers in Berlin.

J#9.

Montag-, den 3. März.

1851.

Das Minutoli'sche Institut der Vorbildersammlung zur
Beförderung der Gewerbe und Künste.

xiu

(Fortsetzung.)

Suis diesen theils nebeneinanderlaufenden, Iheils sich kreu-
zenden Richtungen des Plans mussten sich selbstredend erheb-
liche Schwierigkeiten für die Durchführung ergeben. Diese
konnten durch den Reichthum der Gegenstände nur noch ver-
mehrt werden. Es ergab sich aus alle dem zuletzt die Not-
wendigkeit einer Trennung der Sammlung nach Maassgabe ihrer
Bestimmung in mehrere Hauptabtheilungen.

Von dem ursprünglichen Plane ausgehend, wurde zuerst
eine Sammlung, rein nach den Interessen der Gewerbetechnik
zusammengeordnet. Demnächst schloss sich andrerseits daran
eine Sammlung von Vorbildern aus dem Kunstfache, welche
den höchsten Leistungen desselben angehören.

Während jene mehr die Verwendung der Materialien und
die Lösung der mechanischen und chemischen Fragen berück-
sichtigt, und diese der Befriedigung der ästhetischen Bedürfnisse
bestimmt blieb, sollten in einer dritten Sammlung das frucht-
bare Zusammenwirken der technischen Vollendung und des ver-
edelnden Geistes der Kunst durch eine Reihe von Musterbildern
veranschaulicht werden.

Dieser letztgedachte Abschnitt der Sammlung, welcher so
recht eigentlich zur Verdeutlichung der wichtigen Wechselwir-
kung der Kunst und Gewerbetechnik bestimmt ist, musste not-
wendig bei seinem überwiegenden Interesse und seinem vor-
zugsweisen Reichthum eine besonders sorgfältige Anordnung
beanspruchen. Der Besitzer glaubt den geeignetsten Weg in
einer historischen Ordnung gefunden zuhaben, die er nach den
Haupt-Epochen der Welt- und Kunstgeschichte abgrenzend, in
die nöthige Anzahl Unterabtheilungen brachte, während er dabei
die gewerbetechnischen Beziehungen nicht aus den Augen verlor
und ein gewisses System in der Aufstellung beobachtete, wel-
ches überall eine Uebersicht der zusammengehörigen aber durch
ihre Aufstellung nach Zeitaltern lokal getrennten Gegenstände
ermöglichte.

Diesen Hauptabtheilungen schliesst sich ferner noch ein
vierter Abschnitt an, welcher den den Gewerben und Künsten
dienenden Stoffen und den Werkzeugen gilt, deren man sich
bei der Produktion jener alten Industrie-Erzeugnisse bediente.

n. Jahrgang,

Endlich kommt hierzu als fünfter Abschnitt eine Sammlung
von neuesten Werken der Industrie, welche schon den ver-
edelnden Einfluss ausgezeichneter Vorbilder kundgeben.

Gehen wir nun zur nähern Besprechung der einzelnen Ab-
theilungen über.

Erste Abtheilung.

Die gewerbetechnische Sammlung zerfällt nach den Urstoffen
in Erzeugnisse aus den Stoffen des Mineral-, des Pflanzen-
und des Thierreichs in 3 Unterabtheilungen.

Die erste dieser letztern enthält in gesonderten Sektionen
gewerbliche Produkte, welche die Verarbeitung der Gesteine,
der Metalle, die Fertigung und Verarbeitung des Glases und
die Töpferei, gesondert und in ihren gegenseitigen Verbindungen
darstellen. Wir finden darin die mannigfachste Bearbeitungs-
weise der verschiedenartigsten Gesteine, von der härtesten bis
zur weichsten Masse, an Exemplaren aus der grauen Vorzeit
bis zur neuern. Dasselbe gilt von den Erzeugnissen der Metall-
arbeit, je nachdem sie Produkte des rohen Gusses oder Ham-
mers sind, oder den verfeinerten Arbeiten der Treiberei, der
Ciselirung oder Gravirung angehören.

Getrennt finden sich die Arbeiten der Schlosser, Sporer,
Schwerdtfeger, Zeug- und Waffenschmiede, Büchsenmacher,
Stecher und der Arbeiter für die edlen Metalle, bis zu ihrem
Uebergange in das eigentliche Kunstgebiet. Für die Töpferei
liegen Ziegelarbeiten und Hohlgefässe, wie auch vielfältige an-
dere Produkte, als Bauornamente und verfeinerte Arbeiten aus
fast allen Stoffen von der ältesten bis zur neuem Zeit vor.

Dasselbe gilt von den Arbeiten der Glasmacher und -Ver-
edlet-. Auch hier erscheinen die mannigfaltigsten Richtungen
dieser reichen Industrie in einer grossen Vollständigkeit re^
präsentirt und in besondern Abschnitten sehen wir. die Glas-
mischungen, die Hohlgläser in Steinnachahmung nnd reichhaltiger
Musterung, die Glasmalerei-, den Glasschmuck und die Glas-
pasten, bis zur höchsten Vollendung der Kunst, alles ebenfalls
von den frühesten Zeiten her nach Masse, Form, Verzierungs-
weise geordnet.

Die zweite Unterabiheilung enthält die Darstellung vege-
tabilischer Stoffe; wir finden darin die Verwendung von Hölzern,
Blättern, Früchten, Pflanzenfasern in vielseitiger Zusammenstel-
lung, von der einfachen Verarbeitung bis zur feinsten musivi-
schen Zusammenfügung der festen Massen, von der rohen Ver-
wendung des Bastes zu Kleidungsstoffen bei den Wilden bis

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