Eggers, Friedrich [Hrsg.]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 2.1851

Seite: 348
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkb1851/0368
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
348

den folgenden, hier aber doch schon durch Beispiele aus den
Domen von Basel, Magdeburg, Merseburg und anderen Kir-
chen vertreten, auch Tempera- und Glasgemälde, Holzbilder,
Siegel und Stickerei sind nicht vergessen worden. — Die zweite
Abtheilung für XIV. und XV. wird aus 30 Lieferungen beste-
hen und ist die stärkste, weil in diesen Jahrhunderten sich
unter dem Einfluss der Kirche, des Ritterlhums und der Ga^
lanterie die Blttthe des Trachtenwesens entwickelte. Hier sind
es besonders Wand- und Tafelgemälde und zwar, ausser den
deutschen, auch Fresken zu Siena und Assissi, Tapeten, wor-
unter einige zu Nancy und Rom, Stein- und Holzbilder, welche
sich, in Wetteifer mit der Miniaturmalerei in Handschriften, am
reichlichsten als Quellen darbieten. Von letzteren haben Ulrich
von Reichenthals Chronik in Konstanz, G. v. Ehingen's Tagebuch
in Stuttgart und andere Bilderhandschriften daselbst,, so wie in
Heidelberg, Darmstadt und München das Meiste, hergegeben.
Auch den grossen Stuttgarter Spielkarten von burgundischer
Miniaturmalerei sind einige, besser als in dem ersten..Jahres-,
heft des würtembergischen Allerthum-Vereins 18M nachge-
bildete Blätter entnommen. Die Anzahl der Abbildungen von
Grabdenkmalen steigt bis auf 40. Unter den namhaften Kostum-
figuren finden sich auch hier deutsche Kaiser und Fürsten,, so
wie ausländische Könige; Turnier- und Lehnwesen, die Eisen-
rüstung und ihre Details treten zwar in den Vordergrund, aber
neben der Rittertracht erscheint nicht weniger zahlreich die
bürgerliche der Männer und Frauen, der höheren und geringe-
ren Stände bis auf Eulenspiegel herab. — In der. dritten Ab-
theilung, die auf 22 Lieferungen angelegt ist, sehen wir das
XVI. Jahrhundert in aller Mannigfaltigkeit und Pracht seiner
Trachten vor uns. Von historischen.Persönlichkeiten heben wir
die Kaiser Max I. und Rudolph IL, Anton und Johanna von Na-
varra, Eleonore von Urbin, ein Paar hohenzollernsche Grafen
und Götz von Berlichingen heraus; in den Trachten werden die
provinziellen und Berufseigenthümlichkeilen auffallender; neben
den kunstreichen Harnischen und Waffen macht sich vor allem
der Frauenzimmerputz geltend. Von. den benutzten Quellen; ha-
ben die Bilderhandschriften meist nur noch Geschlechts-, Zunft-
ünd Stammbücher, oder Turnier-, Mummerei- und Fechtbücher
darzubieten, desto grösser wird die Menge der einzelnen Qel-
bilder, Minialuren und Handzeichnungen, die wie die schöne
Sammlung gemalter Trachten und anderer Vorstellungen in
Darmstadt, hier ausgebeutet sind, ohne Tapeten, Glasfenster
u; a. unberücksichtigt zu lassen. Von der Regel, sich blos an
Ungedrucktes zu halten, welche die Wiederholung von Kupfer-
stichen und Holzschnitten ausschloss, sind nur ein paar Aus-
nahmen in den beiden letzten Abtheilungen gemacht worden.

So* ist die Beendigung des ganzen Werkes mit steigender
Vervollkommnung in nicht mehr weiter Ferne zu erwarten.
.Nach einer Mittheilung des Verfassers soll es am Schluss mit
einem Nachtrag, der Berichtigungen und Verbesserungen ent-
hält, mit einer chronologischen und sachlichen Uebersicht des
Ganzen und einer neuen allgemeinen Einleitung zu demselben
versehen werden, welche letztere, bei der successiven Entste-
hung des Werks, natürlich erst nach dessen gänzlicher Voll-
endung, so abgefasst werden kann, dass sie sich enger, als
die vorläufige erste daran arischliesst. Dadurch wird der Werth
desselben wesentlich erhöht und der praktische Gebrauch er-
leichtert werden und es wird alsdann als ein Nationaldenkmal
deutscher Kunst und Gründlichkeit und ihres aufopfernden Flois-
ses dastehen und wie bei uns leider so olt der Fall, die Nach-

welt wieder gut machen, was die Lauigkeit der Mitwelt zu wün-
schen übrig gelassen hat.

Zeitung.

Serlin. Die hiesigen Künstler werden, zum Besten ihrer
Unlerstützungskasse, im December d. J. wieder eine Weihnachts-
Ausstellung im k. Akademiegebände veranstalten, jedoch nicht,
wie bisher, Bilder nach alten Meistern, sondern eigene Com-
positionen ausführen, so wie auch die begleitende Musik neue-
ren Componisten übertragen werden wird. (B. N.)

StltttitJCtrl Von dem Maler Prof. H. Rüstige ist ein dra-
matisches Erstlingswerk: „Filippo Lippi" aufgeführt worden.
Das fünfaktige Drama schildert das Leben und tragische Ende
dieses Künstlers. Dem Stück fehlt zwar, nach dem schwäbi-
schen Merkur, noch der sichere dramatische Organismus, aber
es sei. ein lebendiges wechselvolles Gemälde von poetischer
Haltung und Schönheit, das vielen Beifall erwarb.

W. Jlmftrrottltt, im Okt. In der Fabrik des Herrn L. J.
Enlhoven im Haag ist der Guss der Rembrandtstatue glück-
lich vollbracht worden und somit die Idee des Herrn Royer,
der das Modell erfand, auf lange Jahrhunderte hin verkörpert.
— In derselben Giesserei ist auch- dieser Tage ein eisernes
Grabdenkmal gegossen worden, welches zu Ehren des am
24. Mai 1849 in Indien auf Cassembra gefallenen Generals A.
v. Michiels errichtet werden soll; dasselbe ist im gofhischen
Styl und circa 33 Fuss hoch, es wiegt ungefähr 28,000 nie -
der!. Pfund. Der Reinbrandt aus Bronze wiegt zwischen 7 —
8000 nieder!. Pfund.

Der französische Maler Lanvue hat im Auftrage seiner
Regierung nach dem grossen Stier von Paul Potter, im Haager
Museum befindlich, eine Kopie angefertigt, welche fast vollen-
det ist und sehr gepriesen wird. Die Kopie ist in derselben
Grösse wie das Original und für die zu errichtende Galerie
von Kopieen nach berühmten Gemälden bestimmt! — Bereits
vor einigen Jahren Hess die französische Regierang nach dem
schönen Bilde Rembrandt's „die anatomische Lektion des
Prof. Tulp", gleichfalls im Haager Museum, durch den Maler
Cottreau eine Kopie fertigen, welche für die medizinische
Schule in Paris bestimmt war. Es wäre zu wünschen, dass
die französische Regierung in dieser Hinsicht, namentlich in
Preussen, wo es den Akademieen zu Düsseldorf, Königsberg
und selbst Berlin an bedeutenden Originalwerken der gros-
sen Meister fehlt, Nachahmung fände. Besonders wäre der Ga-
lerie in Düsseldorf eine tüchtige Kopie nach einem der Meisler-
werke. Rembrandt's zu wünschen, denn gerade dieser Künstler,
der erst in unserem Zeitalter zur vollen Anerkennung zu kom-
men scheint, ist in seiner originalen Kraft und Kernhafligkeit,
worin er nie über die Grenzen der Malerei hinausschweift, am
vorzüglichsen geeignet, der heranblühenden Künsllerschaar der
rationellen Richtung als Beispiel vorzuleucbien. ')

1) So viel uns bekannt, sind allerdings durch die Fürsorge der preus-
sisehen Regierung tüchtige Copien nach Meisterwerken der niederländischen
und der venetianischen Schule für die Akademie von Düsseldorf, und zwar
durch einige der ausgezeichnetsten Coloristen derselben, in neuerer Zeit an-
gefertigt worden. . 1). R.

(Der heutigen Nummer liegt eine Kunstheilage hei)

Verlag von Rudolph und Theodor Oswald Wcigcl in Leipzig. — Druck von Gebr. Unger in Berlin.
loading ...