Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 48.1921

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»EHREN-SCHREIN«

FÜR ALEXANDER KOCH.

AUS DEM INHALT EINES EHRENSCHREINES.

Als der Herausgeber dieser Hefte, Alexander
. Koch, im November 1920 seinen 60. Ge-
burtstag beging, entstand dieser Schrein als ein
Behälter für die Zeugnisse freundschaftlichen
und ehrenden Gedenkens, die dem Jubilar in
großer Anzahl zugingen. Unter den Gratulanten
befanden sich viele Künstler, und der Zweck
dieser Veröffentlichung ist es, der Öffentlich-
keit Anteil zu geben an dem, was der Schrein
an allgemeinen und dauernden Kunstwerten
enthält. Natürlich kann es sich nur um einen
knappen Ausschnitt aus der Fülle des Wertvollen
handeln; der Schrein enthält kaum eine Gabe,
die nicht ernstester Beachtung wert wäre.

Die niedliche Pagodenfigur von Bildhauer
Well Habicht mag den Reigen eröffnen. Sie
ist, wie die Abbildung zeigt, asiatischen Vor-
bildern sehr hübsch nachempfunden, verrät aber
selbständigen Geist in der weichen, fließenden
Formbehandlung, in dem glücklichen, drei-
stufigen Gesamtaufbau und in der durchaus
geistreichen, ironischen Art, in der die fremden
Stilelemente verwertet sind. Die Weißstickerei
auf Batist von Marianne Theiner-Prag ist ein

Meisterstückchen dieser Technik, von vollen-
deter Qualität der Arbeit und außerordentlich
glücklich im Entwurf. Waltet hier die Form-
sprache des vergangenen Jahrzehnts vor, so
zeigt der entzückende, bestickte Tüllstern von
EmmyZweybrück -Wien die ornamentale Ge-
sinnung des Expressionismus.

Eine vollwertige Probe moderner Tierdarstel-
lung sehen wir in Richard Seewalds Ziege,
eine prachtvolle Tiercharakteristik durch aus-
gesprochen heitere, mutwillige Linien bei glän-
zender Handhabung der Farbe. Elegant und
geistreich, wie gewöhnlich, tritt Emil Orlik in
seinem Gedenkblatt mit der Blumenvase auf.
Ulrich Hübner hat Vieles von dem eminenten
Reiz, der seine Hafenbilder auszeichnet, in der
hier abgebildeten Zeichnung gegeben. Eine
schlichte, zu Herzen gehende Wirklichkeits-
schilderung aus der Kriegszeit bietet das feine,
vornehme Blatt von Luigi Kasimir-Wien.
Daneben wirkt sehr erfrischend der trockene
gutmütige Humor in der Federzeichnung Josef
Wackeries. Eberz hat in der ihm eigenen,
von der Pracht und Einfachheit farbiger Glas-

XXIV. Juni 1Q21. 6
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