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die Raumhöhe entsprechend den Wohnan-
sprüchen der Zeit vergrößert worden ist.
Bis mindestens in das 17. Jh. zurückrei-
chende Substanz steckt noch in dem heute
wieder Sichtfachwerk zeigenden Bau Nr. 13.
Das kräftige Holzgerüst am Oberstock und
dessen weite Vorkragung sind Indizien hier-
für. Wahrscheinlich war dem Überstreichen
der Fassade im 18. Jh. eine Glättung des
Fachwerks und das Aufsetzen des zweiachsi-
gen Zwerchhauses vorausgegangen. 1879
ist im Erdgeschoß ein erster Laden eingerich-
tet worden, der in der Folgezeit mehrfach um-
gebaut wurde, zuletzt in den achtziger Jahren
dieses Jahrhunderts unter Verwendung älte-
rer Holzverkleidungen.

die Mandelnstraße zum Aegidienkmarkt leitet
und somit eine wichtige und früh bebaute Ver-
bindung zwischen dem alten Weichbildkern
um die St. Magnikirche und dem Marktplatz
dieses Stadtviertels, an dem sich auch das
Rathaus befand, herstellte.
Das Bild der Ritterstraße war vor den Zerstö-
rungen des Zweiten Weltkrieges, durch die
der gesamte westliche Teil der Bebauung
verlorenging, von Fachwerkhäusern eher

kleinbürgerlichen Zuschnitts auf mittelgroßen
Parzellen bestimmt. Erste Einbußen der mit-
telalterlichen Bausubstanz gab es allerdings
schon um 1725, als die ganze Grundstücks-
fläche der heutigen Gaußschule, auf der neun
Bürgerhäuser standen, durch den Grafen von
Dehn aufgekauft und mit einem Fachwerk-
schlößchen mit westlich vorgelagertem fran-
zösischen Garten bebaut wurde. 1753 kam
dieses Gelände in herzoglichen Besitz. Ein

Der älteste und in seiner Fassadengestaltung
einprägsamste Bau in dieser Zeile steht auf
dem Doppelgrundstück Am Magnitor 10/11.
Ursprünglich ein sieben Spann langes Fach-
werkgebäude, wurde das dreigeschossige
Wohn-/Speicherhaus spätestens im 18. Jh.
geteilt, so daß es seither einen dreiachsigen
und einen vierachsigen Teil mit jeweils sepa-
ratem Eingang hat. Mit seinem auf Voluten-
konsolen vorkragenden Oberstock, der ehe-
mals Speicherraum war, und den beiden dar-
unterliegenden Wohnebenen in Geschoß-
bauweise entspricht es in der Art der Kon-
struktion dem Typ des Braunschweiger Bür-
gerhauses, wie es mit nur geringfügigen Ab-
wandlungen vom ausgehenden 15. Jh. bis
weit in das 17. Jh. hinein gebaut wurde. Die
Ornamentik jedoch hat sich jeweils dem Zeit-
geschmack angepaßt und zeigt um 1590,
dem Entstehungsjahr dieses Hauses, haupt-
sächlich über Schwelle und Ständer verteilte
Zierelemente, wobei an diesem Bau mit we-
nig Abwechslung das Motiv der Perlenreihe
und des gegenläufig gedrehten Taubandes
wiederholt wird. Der zum Diamantband stili-
sierte Laubstab ist, neben dem Namen des
Erbauers und einem Wappen, dominierendes
Ziermotiv auf der Schwelle des ehemaligen
Speicherstockes. In dem linken, vierachsigen
Hausteil sitzt noch die alte geschnitzte Tür-
rahmung mit Eselsrückensturz, die auf den
Ständern rechts und links darüber von einer
Datierungsinschrift und zwei Emblemschnit-
zereien in rundbogiger Rahmung, die Zim-
mermannswerkzeug darstellen, begleitet
wird. Die gravierendste Veränderung hat an
der linken Haushälfte durch das Aufsetzen ei-
nes Zwerchhauses bereits im 18. Jh. stattge-
funden; der rechte Hausteil blieb im Dachbe-
reich unverändert, hat dafür im 20. Jh. aber im
Erdgeschoß einen Ladeneinbau hinnehmen
müssen.

RITTERSTRASSE
An der Zäsur zwischen Ölschlägern und dem
„Am Magnitor“ genannten letzten Stück der
alten nach Osten in Richtung Magdeburg die
Stadt verlassenden Fernstraße zweigt nach
Süden die Ritterstraße ab und schwenkt in ei-
nem leicht ansteigenden Bogen nach Südwe-
sten bis zur Einmündung in die Kuhstraße.
Zunächst zum nach Süden abzweigenden
Klint gezählt, erscheint die Bezeichnung Rit-
terstraße seit 1449 für den gesamten Stra-
ßenverlauf bis zur Kuhstraße, der weiter über

Am Magnitor 10/11,1590 und später


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