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der Sack über den Straßenzug Schild und
Hintern Brüdern mit dem Petritor verbunden.
Der Sack hatte keine eigene Stadtpfarrkirche,
sondern war bis zu deren Abbruch 1544
nach der Ulrichskirche auf dem Kohlmarkt
eingepfarrt. Danach gingen die Pfarrechte
auf die 1542 dem protestantischen Gottes-
dienst übergebene Brüdernkirche über. Das
noch im 14. Jh. entstandene Rathaus des
Sackes stand auf der Ecke der beiden Stra-
ßenzüge Sack und Vor der Burg. Es wurde
wie die gotischen Rathäuser des Hagen und
der Altewiek im 18. Jh. (1739) abgebrochen.
Das Weichbild Sack hatte eine überwiegend
kleinbürgerliche Sozialstruktur und war
hauptsächlich von Handwerkern bewohnt,
worauf Straßennamen wie Schuh- und Kan-
nengießerstraße noch heute hinweisen. Die
kleinteilig parzellierten Grundstücke waren in
der Mehrzahl mit 2 1/2 bis dreigeschossigen
traufständigen Fachwerkhäusern besetzt, de-
ren Fassadenbreite meist nicht über vier bis
fünf Spann hinausging. Eine der wenigen
Ausnahmen bildete das größere und vor al-
lem durch seinen reichen Renaissance-
schmuck berühmte Huneborstelsche Haus,
ehemals Sack 5, dessen Schnitzwerkfassade
bereits 1901 einem Neubau auf dem Burg-
platz vorgeblendet wurde (s. dort). Erst mit
dem wirtschaftlichen Aufschwung der Grün-
derzeit, der sich durch Neubauten zunächst
südlich und östlich des Kohlmarktes aus-

wirkte, wurden seit den achtziger und neunzi-
ger Jahren des letzten Jahrhunderts auch
die südlichen Bereiche des Sackes von
neuen Geschäftsansiedlungen erfaßt, und
nach Grundstückszusammenlegungen kam
es auch hier in größerem Umfang zu Neu-
bauten. Am Ende des 19. Jh. war die Schuh-
straße die verkehrsreichste Straße der Stadt.
Vor allem die westlichen, der Altstadt zuge-
wendeten Bereiche des Sackes mit Stephan-
straße, Neue Straße und Kannengießer-
straße sind im Zweiten Weltkriege großflä-
chig zerstört worden und enthalten heute
nur noch wenig Altbausubstanz. Die östliche
Seite der heute als Fußgängerbereich einge-
richteten Einkaufsmeile zwischen Kohlmarkt
und Burgplatz weist noch größere Gruppen
historischer Bauten auf, die nach Stil und Al-
ter sehr heterogen zusammengesetzt und
ein Spiegel des merkantilen Veränderungs-
druckes sind, der seit der Mitte des 19. Jh. in
diesem Bereich nicht nur die Erdgeschosse
der meisten vorgründerzeitlichen Bauten zu
Geschäftszonen umformte, sondern auch zu
einer Reihe historistischer Neubauten ge-
führt hat.
An dem kurzen, aber breiten in nord- südli-
cher Richtung verlaufenden Straßenzug, der,
wie der ganze Stadtteil, Sack heißt, liegen nur
noch drei denkmalwerte Bauten: im Nord-
osten das heute noch mit seinem verputzten

Nordgiebel an einer Baulücke freistehende
Wohn-/Geschäftshaus Sack 15-18 und im
Südwesten, am Eingang zur Neue Straße,
zwei verputzte Fachwerkhäuser (Sack 2 und
3), die zusammen mit einer westlich anschlie-
ßenden Gruppe von fünf weiteren histori-
schen Bauten inselartig die Kriegszerstörun-
gen überdauert haben.
Das viergeschossige Wohn-/Geschäftshaus
Sack 15-18 ist nach größeren Kriegsbeschä-
digungen ab 1949 ohne seine ehemaligen
Dachausbauten wiederaufgebaut worden.
Der von Max Osterloh in den Jahren 1896/97
ausgeführte Bau hat eine horizontal zweige-
teilte Werksteinfassade, die, besonders in
den beiden oberen Wohngeschossen, aus ei-
ner Fülle manieristischer Architekturmotive in
stark plastischer Durchbildung aufgebaut ist.
Optisch besonders wirksam sind die stock-
werkübergreifenden, rustizierten Pilaster mit
ausladenden Kapitellen in ionischen Formen,
die ein mächtiges, antikisierendes Dachge-
bälk tragen, das im Zentrum das Erbauungs-
datum in lateinischen Ziffern trägt. Das
zweite Obergeschoß ist durch besondere In-
strumentierung - in die Fenstergewände ein-
gestellte Marmorsäulen sowie einen in der
Fassadenmitte sitzenden Balkon - als Bel-
etage hervorgehoben. Die beiden Geschäfts-
etagen haben große verglaste Bogenöffnun-
gen für die Warenpräsentation, wobei das
heutige Aussehen des Erdgeschosses aller-

Sack 15-18, Wohn-/Geschäftshaus, 1896/97, Architekt M. Osterloh


Sack 15-18, Wohn-/Geschäftshaus, Fassadenaufriß, Stadt Braunschweig,
Bauordnungsamt


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