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plastisch vortretendem Rundbogenfries, hin-
ter dem sich der Dachansatz verbirgt. Die La-
denöffnungen im Erdgeschoß, die wie die
Fensteröffnungen in den oberen Stockwer-
ken stichbogig geschlossen waren, sind in
jüngerer Zeit erneuert worden.
Die beiden einzigen, noch in das 18. Jh. zu-
rückreichenden Bauten sind die ehemals auf
zwei getrennten Grundstücken stehenden,
heute unter der gemeinsamen Adresse
Schuhstraße 6 registrierten Gebäude, in de-
ren Erdgeschoßzone sich seit 1983 der Ein-
gang zur Burgpassage befindet. Ursprüng-
lich als Fachwerkbauten errichtet, ist nach
dem erst vor wenigen Jahren erfolgten Um-
bau heute nur noch wenig Originalsubstanz
erhalten, so daß der verbleibende Denkmal-
wert vornehmlich auf der straßenbildprägen-
den Wirkung der oberen Fassadenzonen be-
ruht. Prägnante Architekturmotive des 18. Jh.
sind besonders die großproportionierten
Zwerchhäuser mit ihren wuchtigen Dreieck-
giebeln, von denen der südwestliche ein Re-
lief aus Rocaillen und ein Wappen mit Helm
und steigendem Löwen enthält. Mit massi-
gem, zu Voluten gerolltem Blattwerk ist das
Zwerchhaus an den Seiten eingefaßt.
Vom Jugendstil beeinflußten Putzdekor zeigt
das oberste Stockwerk des viergeschossi-
gen Wohn-/Geschäftshauses Schuhstraße 7,
ein Gebäude, das 1865 als Fachwerkbau er-
richtet wurde und sein heutiges Aussehen
durch einen prägenden Umbau 1913 erhielt.
Schuhstraße 8, 9 und 10 sind gründerzeitli-
che Putzbauten unterschiedlicher stilisti-
scher Ausformung. Noch in spätklassizisti-
scher Tradition steht die Fassade Nr. 9, deren
jetzige Form auf einen grundlegenden, 1876
erfolgten Umbau des Vorgängers zurück-
geht und bei der noch weitgehend auf bau-
plastischen Schmuck verzichtet wurde.
Wuchtige Fensterbedachungen, verbunden
mit feingliedrigem Dekor aus Palmetten,
Akanthus und Mäander, geben dem nur vier
Achsen breiten, um 1870 entstandenen Haus
Nr. 10 ein antikisches Gepräge, während das
als Wohn-/Geschäftshaus 1888 von C. Braun

und F. Schönemann errichtete Gebäude
Nr. 8 bereits eine starke Mischung unter-
schiedlicher Stilmerkmale aufweist, mit de-
nen die Fassade rhythmisiert und plastisch
durchgeformt wurde. Das Mauerwerk des
Ziegelbaues ist hier mit einem dünnen An-
strich versehen, und die Fassadenorganisa-
tion ist symmetrisch um eine betonte Mitte-
lachse entwickelt. Rustizierte Quader markie-
ren die Gebäudekanten, und die Fensteröff-
nungen des Hauptgeschosses sind mit mas-
sigen Gebälkstücken überdacht, die von Vo-
lutenpfeilern bzw. Pilastern getragen werden.
Die Fenster des zweiten Obergeschosses ha-
ben reich fascierte Rahmen und sind zusätz-
lich durch aufgesetzte Maskenköpfe und flo-
rales Ornament betont. Drei Dachhäuschen
entsprechen in Anordnung und Größe der
Fassadensymmetrie, ebenso die im Erdge-
schoß an diesem Bau noch erhaltenen Pfei-
ler, zwischen denen die (heute erneuerten)
Schaufenster und der Eingang liegen.
Ebenfalls aus dem letzten Drittel des 19. Jh.
stammen die beiden nächsten Bauten der
Gruppe, die in der nach Süden abbiegenden
Kurve der Schuhstraße liegen, der Einmün-
dung der Stephanstraße gegenüber (Schuh-
straße 11, 12). Beide Bauten fallen durch ihr
flaches Fassadenrelief auf, das nur an der ge-
bogenen Front von Nr. 12 im ersten Oberge-
schoß durch etwas kräftigere Fensterverda-
chungen und Rahmenprofile sowie am
Dachansatz durch ein weit überstehendes,
konsolengestüztes Gesims unterbrochen
wird. Hinter beiden verputzten Fassaden ver-
bergen sich Fachwerkbauten, die sich durch
dick aufgetragenen Putz, Schmuckblenden
in Holz und Fugenschnittimitation den An-
schein von Massivbauten geben - eine Ver-
kleidung, die an vielen Bauten des 18. Jh. zu
beobachten ist und die den in der Herstel-
lung billigeren aber weniger repräsentativen
Holzbau aufzuwerten versucht.
Auf beeindruckende Prachtentfaltung setzt
dagegen die Fassade des von Max Osterloh
entworfenen und 1885 errichteten Beklei-
dungsfachgeschäftes Schuhstraße 13. Von

der heute asymmetrisch organisierten, in üp-
piger Form en Vielfalt ganz in Werkstein errich-
teten Fassade, wurde zunächst nur der südli-
che Teil aufgeführt, der durch Pilasterstellun-
gen in einen vierachsigen Mittelteil mit Dach-
ädikula und zwei Seitenteile gegliedert ist.
Bereits 1895 wurde auf dem nördlich an-
schließenden Grundstück ein Erweiterungs-
bau angefügt, der, ebenfalls von Osterloh ent-
worfen, sowohl in der Wahl des Materials als
auch mit seinen Detailformen nahtlos an das
ältere Gebäude anschließt. Über diesem
sechsachsigen Trakt war ursprünglich ein
kuppelartiger Dachaufbau geplant, dem eine
Wiederholung der Ädikulaarchitektur des äl-
teren Bauteiles vorgelagert sein sollte. In der
Ausführung wurde auf beides verzichtet. Ele-
mente antiker Baukunst, vor allem aber das
Vokabular deutscher Renaissancearchitektur
überzieht in gedrängter Fülle diese Fassade,
wobei der nördliche, jüngere Teil sowohl im
Erd- als auch im Obergeschoß durch den
Einbau schlankerer Stützen mehr Schaufen-
sterfläche erhielt als der ältere Bau. Zwar ist
auch an diesem Bau die Gestaltung der La-
denzone im Erdgeschoß modern, die ur-
sprüngliche Stützenabfolge aus rustizierten
Pfeilern und polierten roten Granitsäulen
wurde aber beibehalten.
Für den Hofhandschuhfabrikanten Otto Mül-
ler wurde nach einem Entwurf von C. Egge-
ling 1885 das Grundstück Schuhstraße 14
mit einem Wohn-/Geschäftshaus neu be-
baut. Seine um eine Mittelachse symme-
trisch entwickelte, viergeschossige Fassade
ist stilistisch am italienischen Stadtpalast der
Renaissance orientiert, wobei in der oberen
Fassadenhälfte die in Werkstein gearbeiteten
Gliederungselemente in wirkungsvollen Kon-
trast zu den roten Ziegelmauerflächen ge-
setzt sind. Die Ladenzone im Erdgeschoß
wurde erst Mitte der achtziger Jahre dieses
Jahrhunderts mit einer dem Originalzustand
angenäherten Pfeilerstellung den oberen
Fassadenbereichen angepaßt.
Südlich unmittelbar anschließend folgt ein
langgestreckter, dreigeschossiger Fachwerk-



Schuhstr. 13, Fassadenaufriß, Stadt Braunschweig, Bauordnungsamt

Schuhstr. 13 (1885, M. Osterloh), 14 (1885, C. Eggeling), 15/16 (1865)

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