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zwei Fensterachsen tief waren. Der die origi-
nale Konzeption verunklärende, um ein
Stockwerk höhere Verbindungstrakt im Sü-
den wurde erst um 1900 dazwischengesetzt.
Die beiden Kernbauten sind zweigeschos-
sige, zurückhaltend ornamentierte Ziegelge-
bäude, in deren hohen Kalksteinquadersok-
keln Souterraingeschosse untergebracht
sind. In den flachgeneigten Walmdächern,
den feingliedrig gestalteten umlaufenden Ge-
simsen und in der ausgewogenen Massen-
verteilung der einzelnen Bauteile leben Ele-
mente italienischer Renaissancearchitektur
auf, die heute vor allem noch an dem weitge-
hend unveränderten Westbau zum Tragen
kommen. Die innere Organisation der beiden
Krankenhausbauten funktionierte nach dem
Korridorsystem, und eine zentral regulierte
Warmluftheizung entsprach der neuesten
technischen Entwicklung. Seit 1895, als das
neu erbaute Landeskrankenhaus an der Cel-
ler Straße in Betrieb genommen wurde, die-
nen die Gebäude dem Amtsgericht.

WENDENTORWALL
Von der ehemaligen Wendentoranlage führt
der Wendentorwall in gerader Linie nach
Südosten, wo er im stumpfen Winkel auf den
Fallersleber-Tor-Wall trifft. Ursprünglich war

derTreffpunkt dieser beiden Promenadenab-
schnitte von P. J. Krähe als kreisrunder Platz
angelegt, der aber schon um 1840 wieder be-
seitigt und in einen einfachen Straßenknick
abgeändert wurde, nachdem an dieser Stelle
bis zur Okerumflut ein kleiner botanischer
Garten eingerichtet worden war. Die einst als
dreifache Allee zwischen Gartengrundstük-
ken dahinführende Promenade ist im Zuge
der Bebauung im Laufe des 19. Jh. zu einer
baumbestandenen Straße umgeformt wor-
den, an der eine Reihe großbürgerlicher
Wohnhäuser und Villen entstanden, von de-
nen die meisten aber die Zerstörungen des
Zweiten Weltkrieges nicht überstanden ha-
ben.
Von den drei heute noch denkmalwerten
Bauten an diesem Wallabschnitt wurden
zwei von den beiden bedeutendsten Braun-
schweiger Architekten derl. Hälfte des 19. Jh.,
P. J. Krähe und C.Th. Ottmer entworfen: Aus
dem Jahre Jahre 1827 stammt das von Krähe
errichtete Wohnhaus Wendentorwall 7 des-
sen scharfkantig nüchterne Architektur ledig-
lich durch die Kontraktion von Fensteröffnun-
gen in der Fassadenmitte zentriert wird. Ein
in das Dach einschneidender halbkreisförmi-
ger Aufsatz mit Thermenfenster, schlanke Ba-
luster in den Brüstungsfeldern und ein von
länglichen Blockkonsolen getragenes, vor-

kragendes Gesims sind die wenigen
schmückenden Gestaltungsmerkmale, mit
denen der in Lehmstampfbauweise ausge-
führte Bau auskommt. Über den hohen Sok-
kelbereich mit Kellerfenstern ziehen sich
zwei markante, glatte Gesimsbänder, von de-
nen das obere bereits als Brüstungsgesims
der Erdgeschoßfenster fungiert, so daß in
diesem Bereich die horizontale Schichtung
der Baumassen besonders betont und eine
ungewöhnlich hohe Sockelzone suggeriert
wird. 1913 ist durch einen seitlichen und ei-
nen rückwärtigen Anbau die auf kubische
Klarheit ausgehende Wirkung dieser Archi-
tektur empfindlich gestört worden. Die Ein-
friedung mit Eisengittern zwischen vierecki-
gen Sandsteinpfosten stammt vermutlich
aus dem Jahre 1867.
Von dem Schinkelschüler und Architekten
des zerstörten Braunschweiger Residenz-
schlosses Carl Theodor Ottmer stammt die
zweigeschossige Villa Wendentorwall 17. Sie
wurde um 1840 auf der Südseite der Prome-
nade etwas zurückgesetzt errichtet und
hatte ursprünglich, vergleichbar den Bauten
P. J. Krahes, einen archaisch wirkenden, von
kantigen Formen bestimmten Aufriß. In sei-
ner originalen Ausformung hatte das Ge-
bäude weder Fensterläden noch die seit
1905 den drei mittleren Bogenachsen im

Am Wendentor 7, ehern. Krankenhaus, 1874/76, Architekt Kreisbaumeister
Lindwurm


Wendentorwall 7, Wohnhaus 1827, Architekt P. J. Krähe



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