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wie bei vielen, italienische Renaissancevorbil-
der verarbeitenden Villenbauten des Histo-
rismus ist auch hier das Erdgeschoß ver-
putzt und mit einem feinen Fugenschnitt
strukturiert. Die zu Paaren zusammengerück-
ten Stichbogenfenster liegen achsial unter
den rundbogig ausgebildetenen des Ober-
geschosses, die in antikisierende, hell ge-
putzte Rahmenarchitekturen gesetzt sind
und sich wirkungsvoll von dem die Beletage
auszeichnenden roten Ziegelmauerwerk ab-
heben. Ein ebenfalls zeittypisches und an ita-
lienisierenden Villenbauten häufig erschei-
nendes Motiv ist das in die Frieszone unter
ausladenendem Kranzgesims und flachem
Dach eingebaute Mezzaningeschoß. Selten-
heitswert haben die in durchbrochenem
Rankenwerk gegossenen und auf Gußeisen-
säulen ruhenden Vorbauten, die den Zugang
zum Haupteingang auf der Südseite und die
der Hauptfassade mittig vorgelagerte Ter-
rasse überdachen. Der Bau wurde 1983 um-
gebaut und erneuert und wird heute vom
Städtischen Museum und von der Musik-
schule genutzt.
In eklektizistischer Vermischung erscheinen
Schmuckformen der deutschen und italieni-
schen Renaissance an dem in der Nordost-
kurve des Denkmalplatzes gelegenen Villen-
bau Löwenwall 19. Der in beiden Geschossen
mit gelben Ziegeln verblendete, auf einem
hohen Buckelquadersockel ruhende Bau
wurde von B. Habrich und W. Heise entwor-
fen und 1890 errichtet. Die schwere Putzor-
namentik konzentriert sich besonders an der
leicht vorgezogenen Mitte der Fassade zum
Löwenwall, die mit gekuppelten, breit ge-
rahmten Fenstern, Balkon und einem mit
Kartusche und Girlanden gefüllten Spreng-
giebel überreich ausgestattet ist. Von starker
Plastizität ist auch der unter einem mäßig
breiten Dachüberstand umlaufende Fries mit
Blatt- und Fruchtgehängen zwischen Kartu-
schen, zwischen denen die kleinen Fenstern
des dahinter liegenden Halbgeschosses an-
geordnet sind. Die dem Eingang vorgelegte
Freitreppe sowie die Pfeiler der die Platz-
krümmung nachzeichnenden schmiede-
eisernen Einfriedung sind neueren Datums.
Durch die ab 1960 erfolgte neue Trassenfüh-
rung der Kurt-Schumacher-Straße ist süd-
lich des Löwenwalles ein zunächst formloser
Zwickel der ehemals zum Windmühlenberg
hinüberführenden Promenade zurückgeblie-
ben, der bis 1970 mit einer gebogenen Stütz-
mauer, einer großzügig entworfenen Trep-
penanlage und einer in Kreissegmenten
streifig gepflasterten Freifläche so ausgestal-
tet wurde, daß sie für die beiden vom ehema-
ligen herzogl. Residenzschloß hierher trans-
ferierten Reiterstandbilder ein passendes
Umfeld abgab und zusammen mit ihnen
eine aufgelockert moderne Denkmalanlage
bildet. Dargestellt sind die beiden Herzöge
Carl Wilhelm Ferdinand (1735-1806) und
Friedrich Wilhelm (1771—1815), der eine in
fürstlicher Kleidung mit Ordensstern, Drei-
spitz und Degen, in der rechten Hand eine
Schriftrolle haltend, der andere in der von
ihm selbst entworfenen geschnürten Husa-
renuniform mit schirmloser Mütze. Auf mo-
dernen, plattenverkleideten, leicht gebösch-
ten Sockelblöcken stehen die beiden überle-

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Löwenwall 16-18, Villa, 1888/89, Architekten Fröhlich und Baumkauff


Löwenwall 16-18, Detail


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