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Südwesten, entlang des Kalenwalls, ein gro-
ßer Garten an, der erst 1940 für den Bau ei-
nes Bunkers beseitigt wurde.Trotz zwischen-
zeitlicher Nutzung als Kaffeehaus (ab 1933)
und heutiger Funktion als Bankgebäude (seit
Beginn der sechziger Jahre), hat der Krahe-
bau sein klassizistisches Erscheinungsbild
und seine straßenbildprägende Funktion als
Point de Vue am Ende des Bruchtorwalles
bewahrt.
Nur wenig jünger ist der nach schweren
Kriegszerstörungen verbliebene Rest des
ehemaligen Bahnhofes, der erst 1960 mit der
Inbetriebnahme des im Südosten der Stadt
errichteten neuen Bahnhofes seine ur-
sprüngliche Funktion verlor (Kalenwall 5).
Von dem heute als Verwaltungsbau genutz-
ten Kopfbau des alten Bahnhofes sind ledig-
lich die auf den Friedrich-Wilhelm-Platz aus-
gerichtete, städtebaulich wirksame Nordfas-
sade sowie die beiden dreiachsigen Seiten-
fronten erhalten geblieben. Die im Zweiten
Weltkriege schwer beschädigte, südlich an-
schließende Bahnsteighalle wurde nach der
Verlegung des Bahnhofes und zusammen
mit dem Wiederaufbau der Fassade des
Empfangsgebäudes (1963-66) entfernt.
Die wiederaufgebaute Nordfront des alten
Braunschweiger Bahnhofes hat heute be-
sonders unter städtebaulichem Aspekt
Denkmalwert und kann von der 1843/44 von
Carl Theodor Ottmer entworfenen Gesamt-
konzeption eines Bahnhofes aus der Früh-
zeit der deutschen Eisenbahngeschichte nur
noch wenig vermitteln. Dem heutigen Bahn-
hofsrest war bereits zur Eröffnung der Bahn-
strecke 1838 ein kleinerer, ebenfalls von
C.Th.Ottmer errichteter Bahnhofsbau in neu-
gotischen Formen vorausgegangen, der nur
fünf Jahre bestand und dann von dem grö-
ßeren Neubau ersetzt wurde.
Nach dem Abbruch des Braunschweiger
Schlosses ist die wiederaufgebaute Fassade
des alten Bahnhofes heute das einzige erhal-
tene Beispiel einer von Ottmer entworfenen
Großarchitektur und somit für die Überliefe-
rung seiner Gestaltungsprinzipien von be-
sonderer Bedeutung. Die in ihren Seitentei-
len zweigeschossig angelegte Fassade ist
deutlich der Fassadenmitte untergeordnet,
deren mittige, über beide Geschosse rei-
chende Rundbogenöffnung von zwei niedri-
gen Bögen flankiert wird. Zusammengefaßt
wird dieses Palladiomotiv von vier kolossalen
Pilastern, die eine mehrschichtige, kasset-
tierte Gebälkzone tragen, auf der eine ohne
ihren ursprünglichen Reliefschmuck wieder-
errichtete, zweifach gestufte Attika ruht. Hin-
ter diesem die Fassadenmitte deutlich über-
höhenden Mitteltrakt lag die hohe Bahnsteig-
halle. Demgegenüber sind die beiden zwei-
geschossigen Seitenflügel mit nur einachsi-
gen, schwach vortretenden Eckrisaliten eher
zurückhaltend instrumentiert und mit einer
gleichmäßigen Reihung von Rundbogenöff-
nungen im Erdgeschoß sowie gerade ge-
schlossenen Fenstern im Obergeschoß dem
Mitteltrakt unterstellt. Auch der von Ottmer
verwendete plastische Fassadenschmuck
mit kassettiertem Bogen, stilisierten Palmet-
ten- und Rosettenformen weisen ihn als den
in Berlin geschulten und in der Nachfolge
P.J.Krahes stehenden Klassizisten aus, der,

Kalenwall 5, Bahnhofsbrücke, 1843/44



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Friedrich-Wilhelm-Platz 3, ehern. Villa, 1827, Architekt P. J. Krähe

Bruchtorwall 1, ehern. Hotel, 1889


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